zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

17. November 2017 | 22:32 Uhr

Wo Bildung extra kostet

vom

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2012 | 09:23 Uhr

Schwerin | Rund 12 700 Mädchen und Jungen wurden in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr an allgemein bildenden Schulen in freier Trägerschaft unterrichtet. Damit hat sich ihre Zahl innerhalb von sieben Jahren verdoppelt - während die Zahl der Schüler im Land insgesamt sank. Inzwischen besuchen gut neun Prozent der Kinder private Schulen. 2001 gab es 34 Privatschulen, mittlerweile sind es 74. In Rostock und Schwerin gibt es je neun Privatschulen, in Greifswald fünf, in Neubrandenburg vier. Einige Schulen betreuen nur Kinder im Grundschulalter, andere nur Gymnasiasten, die nächsten verbinden verschiedene Schularten miteinander. Den größten Anteil haben mit gut 50 Schulen die Grundschulen. Damit betreiben freie Träger inzwischen ein Sechstel der Grundschulen im Land.

Laut Gesetz sollen die Privatschulen das staatliche Schulsystem "ergänzen". Wir geben einen Einblick, mit dem aber keinerlei Wertung verbunden ist.

Die private Grundschule

Die "Kinderkunstakademie" in Rostock ist eine Grundschule mit schulartunabhängiger Orientierungsstufe - und sie hat für ihre Schüler auch in den Ferien geöffnet. "Wir unterrichten nach Inspirationsthemen", sagt Schulleiterin Manuela Wilfert. Ein halbes Jahr lang wird der Unterricht jeweils an einem Motto ausgerichtet. Wenn es "Pinguine" lautet, dann werden die Vögel nicht nur gemalt. In Mathe rechnen die Kinder aus, wie schnell sie schwimmen müssen, um mit einem Pinguin mitzuhalten. In Philosophie überlegen sie, wie es wäre, wenn ein Mensch wie ein Pinguin leben müsste. Zwar seien Kunst und Kultur für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig, so Wilfert, zu Künstlern werden sie an der Kinderkunstakademie jedoch nicht ausgebildet. Schulträger ist der Verein "Institut für Leben und Lernen", der dem Paritätischen Wohlfahrtsverband angehört. Schul- und Betreuungsgeld betragen150 Euro pro Monat.

Ein privates Gymnasium

Das-andere-Gymnasium in Neubrandenburg nimmt nur Schüler auf, die die Grundschule mit einem Notendurchschnitt bis 2,0 abgeschlossen und einen Test bestanden haben. "Wir wollen die Lernfreude auch in den oberen Klassen erhalten, und das versuchen wir durch eine gewisse Homogenität", sagt Steffen Max Metelka, Mitbegründer der Schule. Wer einen Durchschnitt von 1,3 oder besser erreicht, bekommt einen Teil vom Schulgeld erlassen. Das beträgt für die derzeit 240 Schüler 195 Euro im Monat. Am Nachmittag stehen die Hausaufgaben und freiwillige Lernangebote im Mittelpunkt. Die Schule bietet laut Metelka moderne Lernateliers und ein junges Kollegium. Unterrichtsausfall habe es noch nicht gegeben. Einmal im Jahr wird der "Sozialkompetenzpreis ,klasse Typ’" vergeben.

Waldorf- und Montessori-Schulen

Schulen mit reformpädagogischem Ansatz zeichnet auf den ersten Blick aus, dass es keine Zensuren gibt, niemand sitzen bleibt und dass die Kinder ihr Lerntempo individuell mitbestimmen. Zu den bekanntesten zählen Waldorf- und Montessori-Schulen. In denen auf die Italienerin Maria Montessori zurückgehenden Schulen gilt der Leitsatz "Hilf mir, es selbst zu tun!". Freiarbeit in jahrgangübergreifenden Klassen steht im Zentrum.

Die Waldorf Schulen gehen auf Rudolf Steiner (1861-1925) zurück, laut dem Kinder bestimmte Entwicklungs- und Lernphasen durchlaufen. Anfangs lernen sie eher bildhaft, später kommt das wissenschaftliche Lernen hinzu. Waldorf-Schulen wollen in festen Klassenverbänden auch kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten entwickeln. Vom ersten Schuljahr an lernen Waldorfschüler zwei Fremdsprachen. Jungen und Mädchen stricken und nähen, sägen und hämmern gemeinsam. Einzigartig ist das Fach Eurythmie, eine besondere Mischung aus Gebärden und Tanz.

Schulen mit kirchlichen Wurzeln

Der größte Anteil der privaten Schulen wird von Trägern mit kirchlichem Hintergrund betrieben. Einer davon ist die Evangelische Schulstiftung mit rund 2400 Schülern an 21 Schulen, die meist durch Elterninitiativen entstanden. "Die Schulen sind einer guten Bildung verpflichtet und haben eine klare Ausrichtung aufs Evangelium und auf ein christliches Menschenbild", sagt Helmut Hanisch, Vorsitzender der Stiftung. Die Schulen der evangelischen Schulstiftung orientieren sich in der Regel an Reformpädagogen. Trotz der christlichen Ausrichtung ist nur knapp die Hälfte der Schüler getauft. Die Schulen seien offen für alle Kinder, so Hanisch. Gottesdienste, Andachten und das Tischgebet vor dem Essen im Hort gehören dazu. Das monatlich Schulgeld liege zwischen 40 bis 80 Euro und sei meist einkommensabhängig. Auch die Diakonie und die Katholische Kirche engagieren sich als Schulträger.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen