Spitzenforschung : Wo aus Daten Bilder werden

Das Modell zeigt eine komplette Werkhalle. Fotos: IGD
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Das Modell zeigt eine komplette Werkhalle. Fotos: IGD

Datenverarbeitungs-Institut in Rostock forscht für die industrielle Produktion

svz.de von
07. November 2014, 11:50 Uhr

Eine ganze Produktionshalle von unterwegs steuern? Material nachbestellen, Maschinendaten überprüfen? Und das alles per mobilem Gerät – weit weg von der Firma? Das wird schon in naher Zukunft möglich sein. Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Rostock hat ein System entwickelt, das auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten werden kann. „Visual Computing“ ist das Zauberwort für das, was sich auf den Rechnern des IGD abspielt: Daten aus der realen Welt werden in Grafiken umgewandelt – auch in 3D. „Wir versuchen, Bilder aus der Realität zu verbessern und zu verstehen“, erklärt Prof. Bodo Urban, Standortleiter in Rostock. „Dann verbinden wir sie mit computergenerierten Bildern. So kommen wir zu virtuellen und erweiterten Realitäten.“

Die Rostocker Wissenschaftler, hauptsächlich Informatiker, Mathematiker und Elektrotechniker, befassen sich zum einen mit Grafiken für den maritimen Bereich, also Schiffbau, Schifffahrt und maritime Umwelt, auch unter der Wasseroberfläche. „Man kann heutzutage schnell Grafiken von Gebäuden erstellen und sie analysieren“, erklärt Urban. „Unter Wasser wird es schwieriger: weniger Licht, andere Brechungseigenschaften, Verzerrungen. Da werden spezielle Lösungen gebraucht.“ Anwendungsbereiche sind Unterwasser-Archäologie oder die Inspektion von Offshore-Plattformen.

Der zweite große Forschungsbereich des IGD umfasst das Sichtbarmachen von Daten in der industriellen Produktion. „In solchen Abläufen gibt es Unmengen von Daten, die jeweils nur einem Teil der Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Heutzutage muss sichergestellt werden, dass genau die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt bekannt sind, damit schnell Entscheidungen gefällt werden können“, erklärt Urban. Dazu müssen Daten selektiert, aufbereitet und dargestellt werden. Das sollen weniger konventionelle Tabellen und Zahlenkolonnen sein als vielmehr Informationen, die intuitiv zu verstehen sind. Auf einem riesigen Display ist eine Produktionshalle als 3D-Modell zu sehen, die wesentlichen Informationen zu jeder Maschine, jedem Arbeitsplatz sind eingeblendet. „Ich kann sehen, wo stockt ein Ablauf, wo fehlt Material, wie sind die Schichtpläne. Natürlich gibt es bereits Systeme zur Produktionsüberwachung, aber wir führen Informationen aus verschiedenen Bereichen wie Planung oder Steuerung zusammen.“

Im Institut steht ein Demonstrationsmodell, aber die Anwendung kann sofort auf konkrete Produktionsabläufe zugeschnitten werden. Es gebe bereits Firmen, die sich für solche Lösungen interessieren, so Urban.
„Diese Gesamtübersicht ist für den Produktionsleiter oder den Geschäftsführer wichtig“, erläutert Holger Diener, Mitarbeiter in der Abteilung Interactive Document Engineering. „Aber auch der einzelne Mitarbeiter hat an seinem Arbeitsplatz Zugriff auf bestimmte Daten. Er kann einfach das Tablet berühren und muss dabei nicht zwischen verschiedenen Programmen wechseln.“
 

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