Solarinitiative MV : Wo Ananas und Bananen reifen

Das Vereinsgelände der Solarinitiative Mecklenburg-Vorpommern mit dem alten Gutshaus und einem Sonnensegel – die gesamte Außenhülle des alten Gebäudes dient als Energiespender und -speicher.
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Das Vereinsgelände der Solarinitiative Mecklenburg-Vorpommern mit dem alten Gutshaus und einem Sonnensegel – die gesamte Außenhülle des alten Gebäudes dient als Energiespender und -speicher.

Die Solarinitiative Mecklenburg Vorpommern feiert 15-jähriges Bestehen. Zentrum entwickelt Projekte zur Bewältigung des Klimawandels

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30. September 2018, 05:00 Uhr

Am Solarzentrum Wietow vorbeizufahren, ohne es wahrzunehmen, ist praktisch unmöglich: Anlagen zur Sonnenenergienutzung, wohin das Auge schaut. Auffallend ist hier in Nordwestmecklenburg auch das Gutshaus mit seiner leuchtend gelben Fassade – ein Sonnenschein der speziellen Art. In diesen Tagen feiert der dortige Verein Solarinitiative Mecklenburg-Vorpommern sein 15-jähriges Bestehen. Brigitte und Ditmar Schmidt haben ihn 2003 gegründet.

Sie sanierten das vom Verfall bedrohte Gutsgelände und machten das zwischen 1850 und 1905 in mehreren Etappen errichtete Gutshaus zu einem Musterbeispiel für eine optimale Solarenergienutzung. Mit ökologischen Baustoffen und selbst entwickelter Technik, um es je nach Wetterlage warm oder kühl zu haben. Die gesamte Außenhülle des Gebäudes dient als Energiespender und -speicher. Auf dem Vereinsgelände unweit von Wismar finden wissenschaftliche Veranstaltungen und Erfahrungsaustausche statt, um neue Ideen zu vermitteln, Anstoßeffekte auszulösen. Ein Tagungshaus und Übernachtungsmöglichkeiten bieten ideale Voraussetzungen.

Förderung von Bund und Land

Bund und Land haben den Start des Vereins seinerzeit mit 2,5 Millionen Euro gefördert. So manches weitere Projekt wurde finanziell unterstützt, doch längst nicht alles läuft wie gewünscht. Seit knapp zwei Jahren bemüht sich Ditmar Schmidt beim Agrar- und Umweltministerium um die Förderung eines von ihm entwickelten Projektes zur Fischaufzucht. In dem Kreislauf sollen verschiedene Fischarten sowie Obst und Gemüse gleichzeitig optimal gedeihen.

„Ein wegweisendes Projekt, in vielen Punkten besser als bisher genutzte Technologie“, urteilt Erich Reppenhagen, Chef der lokalen Aktionsgruppe Westmecklenburgische Ostseeküste. Diese war vor einigen Jahren eigens dafür gegründet worden, die Entwicklung des ländlichen Raumes durch Ansiedlung innovativer Firmen zu unterstützen. Doch der Antrag der Solarinitiative zur Förderung einer Pilotanlage schmort nach wie vor im Ministerium. Aus dem zuständigen Fischereireferat heißt es dazu, es fehlten wichtige Details. „Mein anfangs eingereichtes Konzept umfasst mehr als 20 Seiten. Inzwischen habe ich bereits über 250 Seiten nachgereicht“, sagt Schmidt. Aufgeben will er jedoch auf keinen Fall.

Erste Erfahrungen aus Afrika

Seine ersten Erfahrungen mit Sonnenenergie sammelte Ditmar Schmidt vor 40 Jahren in Mosambik, im Südosten Afrikas. „Es gab keine funktionierende Stromversorgung, aber viel Sonne. Also haben wir uns etwas einfallen lassen“, erzählt der studierte Elektrotechniker. Zurück an der Hochschule Wismar, gründete er 1985 einen Lehrstuhl für erneuerbare Energien. Als der nach der Wende abgewickelt wurde, machte er sich selbstständig. „Wir denken, die Sonnenenergienutzung wird irgendwann zum Selbstläufer“, sagen die Protagonisten bei der Solarinitiative Mecklenburg-Vorpommern. Gebaut hat Schmidt unterdessen sein Gewächshaus der Zukunft, das in Wietow nahezu alle Gebäude überragt. In der Pilotanlage sind neben Tomaten und Gewürzen gerade auch Ananas und Bananen reif. „Wir haben ein spezielles Glas entwickelt, das die Sonnenstrahlen optimal nutzt.

Und die Wasserversorgung? Selbst in der Wüste ist der Wissenschaftler in tieferen Schichten auf Wasserressourcen gestoßen, die eine Versorgung ermöglichen. „Wenn wir den Klimawandel bewältigen wollen, müssen wir unsere Lebensmittel künftig wieder regional erzeugen. Und nicht über Hunderte oder gar Tausende Kilometer durch die Welt transportieren“ – davon sind Brigitte und Ditmar Schmidt fest überzeugt.

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