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Agrarbeihilfe : Zwölf Millionäre im Nordosten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

EU zahlt für jeden Arbeitsplatz knapp 19 000 Euro

svz.de von
erstellt am 29.Mai.2015 | 08:00 Uhr

In Westmecklenburg sitzen die meisten Agrarbeihilfe-Millionäre in MV: Fünf Agrar-, Obst- und Gemüsebetriebe erhielten im vergangenen Jahr mehr als eine Million Euro an Beihilfen von der Europäischen Union ausgezahlt. Das geht aus der gestern vorgelegten neuen Subventionsliste der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hervor. Betriebs- und Umweltprämien, Ausgleichszulagen für benachteiligte Gebiete, Tierschutzprämien: Insgesamt zwölf Unternehmen in MV erhielten dafür vom Steuerzahler 2014 mehr als eine Million Euro – 122 Betriebe sind es bundesweit. In der Region Rostock stehen drei Betriebe, in der Region Neubrandenburg vier Unternehmen auf der Millionärsliste. Dazu kommen 24 Städte, Landkreise, Landesbehörden und Zweckverbände, die ebenfalls 2014 jeweils Millionenzahlungen aus dem EU-Agrarfonds überwiesen bekamen.

Das lohnt: Dabei gehört die Agrarprodukte-Genossenschaft Spornitz im Landkreis Parchim wie bereits in den Vorjahren zu den Top-Verdienern. 2,2 Millionen Euro gab es im vergangenen Jahr aus der EU-Kasse für diesen einen Betrieb. Die Spornitzer gehören damit zu den sechs Agrarbetrieben in Deutschland, die mehr als zwei Millionen Euro im Jahr erhalten. Auch gut im Geschäft: die Agrarbetriebe der Familie des Müll-Milliardärs Rethmann mit etwa 6500 Hektar Land in der Region Sternberg. Zusammen erhielten die Betriebe der Subventionsliste zufolge knapp 1,6 Millionen Euro. Noch mehr Geld steuert der Steuerzahler an Obst- und Gemüsebetriebe und Erzeugergemeinschaften bei. Allein 4,6 Millionen für den Pfalzmarkt für Obst und Gemüse in Mutterstadt in Rheinland-Pfalz. Mit ganz vorne dabei: die Erzeugerorganisation Obst und Gemüse Schwerin. 3,1 Millionen Euro gab es 2014 dazu.

Die Bauern öffnen indes in diesem Jahr ihre Konten so weit wie noch nie: Neben Betrieben juristischer Personen werden nach entsprechenden Rechtsänderungen der EU erstmals auch alle Höfe natürlicher Personen im Beihilferegister benannt. „Ein Mehr an Transparenz“, begrüßte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) die Entscheidung. Damit könne „schließlich genau gesehen werden, welches Unternehmen, welche Gemeinde oder welche Personen wie viel Fördergeld und damit Steuergeld aus Brüssel bekommen hat“. Auch BUND-Experte Burkhard Roloff begrüßte die Offenlegung der Beihilfen.

Insgesamt flossen im vergangenen Jahr 499 Millionen Euro nach MV – 378 Millionen Euro Direktzahlungen für 4664 Höfe, 121 Millionen Euro aus dem EU-Fonds zur Entwicklung des ländlichen Raums (Eler). Das summiert sich: Jeder Betrieb erhielt im Schnitt 81 110 Euro an Direktbeihilfen – als Ausgleich für preiswerte Lebensmittel. Das Geld der Steuerzahler reicht den Bauern, einen großen Teil der Personalkosten der nur noch etwa 20 000 Beschäftigten in MV zu decken – 18 915 Euro steuern die öffentlichen Kassen im Schnitt für jeden Arbeitnehmer in der Landwirtschaft bei.

 

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