zur Navigation springen

Gläubigerversammlung der P+S-Werften : Zwischen Wut und Resignation

vom

Die erste Gläubigerversammlung nach der Insolvenz der P+S-Werften hat gestern begonnen. Rund 988 Millionen Euro fordern 2300 Gläubiger von den Werften. Die Hoffnung auf Zahlung der offenen Außenstände ist gering.

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2013 | 06:41 Uhr

Stralsund | Zulieferer und andere Kleingläubiger können nur mit wenig Geld aus der Insolvenzmasse der P+S-Werften rechnen. Die Quote, nach der die nicht gesicherten Forderungen bedient werden, liege voraussichtlich zwischen ein und drei Prozent, sagte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann nach der Gläubigerversammlung gestern in Stralsund. Die Quote sei damit "denkbar gering". Rund 2300 Gläubiger hatten Ansprüche in Höhe von insgesamt 988 Millionen Euro angemeldet. Nach Brinkmanns Angaben sind rund 700 Millionen Euro berechtigt, davon sind rund 200 Millionen Euro gesicherte Forderungen von Land und Banken. Größter Einzelgläubiger ist das Bankenkonsortium Nord LB und KfW-Bank mit rund ein Drittel der Gesamtforderungssumme.

Das Insolvenzverfahren für die vorpommersche Werftengruppe war am 1. November 2012 eröffnet worden. Während für die Wolgaster Werft mit der Bremer Lürssen-Werft ein Käufer gefunden wurde, rechnet Brinkmann nicht damit, dass es vor dem Frühjahr zu einem Verkauf der Stralsunder Schwesterwerft kommt. Aber es gebe Fortschritte, sagte Brinkmann. Mit dem Neuabschluss des Vertrages mit der dänischen Reederei DFDS würden von nächster Woche an wieder rund 500 von einst 1200 Schiffbauern auf der Stralsunder Werft arbeiten. Dem vor einer Woche unterzeichneten Vertrag muss noch das dänische Verteidigungsministerium zustimmen.

Für die IG Metall ist die Wiederaufnahme der Arbeiten nach elfwöchiger Unterbrechung eine "Nagelprobe für den Standort". Potenzielle Käufer würden sehen, dass in Stralsund eine der modernsten Kompaktwerften Deutschlands stehe, sagte der IG metall-Bevollmächtigte Guido Fröschke.

Die Gläubigerversammlung, an der rund 100 Gläubiger teilnahmen, bestätigte Brinkmann in seiner Funktion. Die Gläubiger waren mit unterschiedlichen Erwartungen nach Stralsund gekommen. Transportunternehmer Andreas Wulf aus Cuxhaven sagte, er sei wütend. Einen sechsstelligen Betrag habe seine Firma bei der Werft offen. "Die, die das vergeigt haben, sitzen heute leider nicht hier". Simone Prestin, Verwaltungsleiterin einer Fachschule für Technik auf dem Stralsunder Dänholm ist gekommen, um ihrer Forderung über 12 000 Euro Nachdruck zu verleihen. Sie ist ernüchtert: "Wir werden ganz wenig Geld bekommen, wenn überhaupt. Und das wird Jahre dauern."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen