Wirtschaft in MV : Zwei von fünf lösen Lehrvertrag

Wirtschaft in MV will Frühorientierung bei Berufswahl verbessern

svz.de von
07. März 2014, 21:15 Uhr

Für Lehrlinge in MV ist die Ausbildung oft schon beendet bevor sie  richtig angefangen hat: Allein 2012 wurden die Lehrverträge von zwei von fünf Lehrlingen vorzeitig gelöst –  3417 von 8288  neuen Ausbildungsverträgen, ermittelte das Statistische Amt. Nirgendwo in Deutschland ist die Lösungsquote höher: Nach dem sogenannten Schichtmodell des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden 2012 in MV 33,4 Prozent der Verträge nicht erfüllt – bundesweit 24,4 Prozent. „Auszubildende in Mecklenburg-Vorpommern haben nach wie vor besonders schlechte Chancen, ihre Ausbildung erfolgreich zu beenden“, kritisiert die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion Ulrike Berger. Grund dafür sei u. a. die schlechte Ausstattung der Berufsschulen. Berger zufolge seien die beruflichen Schulen  bundesweit am schlechtesten finanziert: „Die berufliche Ausbildung wurde in den letzten Jahren zu stiefmütterlich behandelt.“ Schlechte Karten auch für die Lehrlinge, die die  Ausbildung durchgehalten haben: Von 10 110 Abschlussprüfungen wurden in MV 14,8 Prozent nicht bestanden, heißt es im Berufsbildungsbericht 2013 – so viele wie in keinem anderen Bundesland.

Die Wirtschaft ist alarmiert: Es gebe aber  keinen Grund, die Zahlen zu skandalisieren, erklärte Edgar Hummelsheim, Chef der Handwerkskammer Schwerin gestern. Inzwischen stünden mehr Lehrstellen als Bewerber zur Verfügung. Trotz eines abgeschlossenen Lehrvertrages nehme mancher doch ein besseres Angebot an.  Korrigierte Berufswahl, Wechsel in einen anderen Betrieb, Einstieg ins Studium, Ausbildungsabbrecher:  Die Auflösung eines Lehrvertrages bedeute nicht, dass der Jugendliche jedwede Ausbildung „hinschmeißt“ oder abbreche, meinte Helga Rosin,  Bildungsexpertin der IHK Rostock. Allerdings würden Verträge auch wegen mangelnder Ausbildungsreife der Lehrlinge gekündigt, so Hummelsheim: „Das Problem hat sich eher verschärft.“ Deutsch oder Mathematik: „Lücken gibt es bei vielen.“ Das Handwerk reagiert: Gemeinsam mit der Arbeitsagentur würden ausbildungsbegleitende Hilfen angeboten. Vor allem aber muss bei der Berufswahl die Frühorientierung verbessert werden, forderte Hummelsheim: Angesichts der geringen Bewerberzahlen „brauchen wir jeden Jugendlichen“.

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