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Trend : Zurück zur Natur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jeder zweite Verbraucher setzt auf regionale Lebensmittel / Backhaus: Bauern und Handel suggerierten zu lange heile Welt und Idylle der Landwirtschaft

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Zurück zur Natur liegt im Trend: Die Nachfrage steigt, meint Tobias Blömer. Würstchen, hergestellt nur mit dem, über das die Hausfrau auch in der Küche verfüge, das sei gefragt, erklärt der Chef des Fleischverarbeiters „Die Rostocker“ gestern: „Einfacher kann man eine Bratwurst nicht mehr machen.“

Weg von Konservierungsstoffen, Aromen, Stabilisatoren, Geschmacksverstärkern: Würstchen, die „wie früher“ hergestellt würden und auch so schmeckten – „das schafft eine Vertrauensbasis beim Verbraucher“, meinte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Geschmacklich erinnere die Urtyp-Bratwurst an „die guten alten Zeiten, als noch selber geschlachtet wurde“. Die in anderen Produkten verwendeten Zusatzstoffe seien zwar alle zugelassen, hätten aber auch Probleme mit sich gebracht. Einige gelten inzwischen als Allergieauslöser – und die Fälle nehmen seit Jahren zu, erklärte Backhaus.

Mit Folgen: Backhaus erkennt indes ein langsames Umdenken bei den Verbrauchern. „Wir müssen uns ein Stück zurücknehmen und wieder Natur Natur sein lassen“, wirbt er. Für Backhaus hätten Bauernverband und der Einzelhandel den Verbrauchern viel zu lange die „heile Welt und Idylle der Landwirtschaft suggeriert“. Stattdessen seien auf Druck der großen Lebensmittelketten den Produkten immer mehr Konservierungsstoffen beigegeben worden, um die Haltbarkeitsdaten zu verlängern. Davon müsse man wieder weg: Statt Vorratshaltung in der Speisekammer mit Bratwürsten, die bis zu einem halben Jahr haltbar seien, nur so viel einkaufen, wie auch benötigt und verbraucht werden. Dabei müssten sich Verbraucher auch bei traditionellen Verfahren keine Sorgen um verderbliche Waren machen, so Blömer.

Bei den Rostocker Würstchen würden beispielsweise Keime durch zweimaliges Erhitzen vernichtet und die Ware haltbar gemacht.

Regionalität, Herkunft und Ursprünglichkeit: „Das wollen die Verbraucher“, meint Backhaus. Für die Kunden sei das immer häufiger ein Kaufkriterium. Einer Umfrage zufolge bevorzugten 57 Prozent der Befragten regionale Lebensmittel, bei Frauen sogar 64 Prozent. Dabei würden Kunden mit Regionalität Frische, kurze Lieferwege und die Förderung von lokalen Produkten verbinden.

Der Handel beginnt indes, auf den Zug aufzuspringen: Die erste Einzelhandelskette habe die neuen Rostocker Bratwürste geordert. Ab September wolle Netto Stavenhagen die Produkte ins Sortiment aufnehmen. Auch andere Händler hätten inzwischen starkes Interesse an Wurstwaren ohne Zusatzstoffe. Ab kommenden Jahr sollen die neuen Ur-Würste dann großflächig im Handel erhältlich sein.

Für Blömer ist die gestern vorgestellte Urtyp-Bratwurst erst der Anfang. Bockwürste, Wiener – nach und nach wolle man das Sortiment mit Produkten ohne Zusatzstoffe erweitern, kündigt er an.


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