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Mecklenburg-Vorpommern : Zu viel Arznei in jedem zweiten Stall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Studie: Ein Viertel der Schweinemäster in MV kommt ohne Antibiotika aus

svz.de von
erstellt am 24.Apr.2014 | 08:00 Uhr

Medikamente im Futtertrog: In jedem zweiten Schweinemastbetrieb in MV sind erhöhte Antibiotikagaben festgestellt worden. Dabei lag in acht von 45 untersuchten Betrieben die Therapiehäufigkeit so hoch, dass die Bauern zu Maßnahmeplänen zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes aufgefordert wurden, geht aus einem bisher einmaligen Prüfbericht hervor, den Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin vorgestellt hat. Danach setzen 75 Prozent der Betriebe die Arzneimittel ein. An der Studie hatte sich jeder fünfte der 220 Mastbetriebe in MV freiwillig beteiligt – vom 250-Tiere-Hof bis zur 30 000er-Schweineanlage. Zur Reduzierung der Antibiotikagaben müssen ab 1. Juli alle Bauern in Deutschland die Anwendungen bei Schweinen, Hühnern, Puten und Rindern in einer Datenbank dokumentieren.

Der Antibiotikaeinsatz in der Schweinemast müsse weiter reduziert werden, forderte Backhaus. Bessere Haltungssysteme und Hygiene in den Ställen, mehr Vor- und Fürsorge: Die Betriebe bräuchten Strategien, um einen stabilen Gesundheitsstatus der Tiere zu sichern. Dazu zähle auch eine bessere Qualifizierung der Mitarbeiter. Backhaus forderte zudem die Veterinärmediziner in MV auf, die Schweinehalter mehr zu unterstützen: „Tierärzte dürfen nicht nur Antibiotika verschreiben und Geld verdienen, sondern müssen beraten.“ Backhaus warnte aber vor überzogenen Erwartungen: „Ohne Antibiotika geht es aus Tierschutzgründen nicht. Wenn ein Tier krank ist, muss es behandelt werden.“

Der Antibiotika-Einsatz im Stall steht seit Jahren in der Kritik, da die Medikamente ins Fleisch und in die Umwelt gelangen können. Nach den Antibiotikaskandalen der Vergangenheit seien die Landwirte in MV dafür sensibilisiert worden, den Mitteleinsatz zu verringern, meinte Backhaus. Dabei scheinen Bauern in MV weniger häufig Antibiotika einzusetzen als Landwirte in anderen Bundesländern: Die Therapiehäufigkeit sei in MV um ein Drittel niedriger als in anderen deutschen Mastbetrieben, ergab die Studie. Jeder vierte Schweinemastbetrieb in MV komme ohne Antibiotika aus, sagte Backhaus – bundesweit nur jeder fünfte Betrieb. Überraschend auch: Ob kleine Höfe oder große Stallanlagen – große Betriebe seien nicht negativer aufgefallen als kleine. So wurde der Studie zufolge in einem Betrieb mit 20 000 Tierplätzen eine unterdurchschnittliche Therapiehäufigkeit festgestellt. Auf einem Hof mit nur wenigen Hundert Tieren überstieg der Antibiotikaeinsatz hingegen den Durchschnittswert um ein Vielfaches.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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