Energiebedarf : Zoff zwischen MV und Bayern um Stromtrassen

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Energieminister Pegel: Neue Leitungen sind unumgänglich / Kanzlerin Merkel spricht Machtwort

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09. Februar 2014, 21:30 Uhr

Die Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) nach einem Planungsstopp für große Stromtrassen stößt in Mecklenburg-Vorpommern auf Unverständnis und Ablehnung. „Es gibt wohl nur einen Grund für diesen Vorstoß. Und das sind die Kommunalwahlen im März in Bayern“, sagte Energieminister Christian Pegel (SPD). Jetzt, da die Trassenplanungen konkreter würden, rege sich Widerstand in betroffenen Gemeinden. Den Zorn der Bürger wolle sich der CSU-Chef nun offenbar nicht zuziehen.

„Nach der Wahl aber wird sich auch Herr Seehofer den Sachargumenten nicht mehr verschließen können. Denn die großen Unternehmen, die ihm in Bayern mit ihren Steuern die Landeskasse füllen, brauchen künftig auch Windstrom aus dem Norden. Das weiß Seehofer, und auch, dass für den Transport neue Leitungen unverzichtbar sind“, zeigte sich Pegel überzeugt.

Der Netzausbau hinke nach jahrelangen Verzögerungen schon den Entwicklungen bei der Ökostromproduktion erheblich hinterher. „Noch mehr Zeitverzug können wir uns in Deutschland nicht leisten, soll die Energiewende Erfolg haben“, sagte Pegel. Bei den Gesprächen auf Ebene der Länderminister habe zudem die zuständige Münchner Ressortchefin Ilse Aigner (CSU) keine grundlegenden Widerstände gegen die Energiewende erkennen lassen.

Bei der angestrebten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gehe es um ein Gesamtpaket, bei dem die Interessen einzelner Bundesländer und des Bundes in Einklang gebracht werden müssten. „Dazu gehört auch der Bau neuer Gaskraftwerke, wie sie Bayern und Baden-Württemberg wollen. Aber auch der Ausbau der Windkraft-Nutzung an Land und auf See, wie wir das im windreichen Norden vorhaben“, erklärte Pegel.

Mecklenburg-Vorpommern will schon in wenigen Jahren den eigenen Energiebedarf mit Ökostrom decken und darüber hinaus auch andere Bundesländer beliefern. Im Vorjahr wurden 135 neue Windräder mit einer Gesamtleistung von 400 Megawatt errichtet.

Pegel zeigte sich zuversichtlich, dass der Ausbau der Windparks trotz der von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) angekündigten Förderbeschränkungen in Mecklenburg-Vorpommern weiter vorankommen wird.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will trotz massiver Proteste in Bayern am Bau riesiger neuer Stromtrassen in den Süden festhalten. „Es wird Gleichspannungsleitungen geben“, sagte Merkel am Samstag zum Abschluss einer CDU-Klausur in Erfurt. „Ich bin darüber mit Horst Seehofer in einem guten Gespräch“, betonte sie mit Blick auf jüngste Einwände des bayerischen Ministerpräsidenten.

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