zur Navigation springen

Festschmaus zu Silvester : Zehnpfünder sind die besten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Karpfen aus 800 Jahre alter Klosterteichanlage im Hütter Wohld bei Bad Doberan

„Das war ein gutes Karpfenjahr. Das Wetter hat optimal mitgespielt“, sagt Fischer Leif Detlefsen und greift aus dem Kescher einen massigen Karpfen. Die Waage zeigt 5,1 Kilo an. Der Kunde ist zufrieden und zieht mit seinem Prachtexemplar davon. Traditionell werden zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel in Deutschland die meisten Karpfen gegessen. Leif Detlefsen zieht seine Fische nach einem uralten Prinzip auf. Der studierte Binnenfischer ist seit 1992 Inhaber der Klosterteichanlage im Hütter Wohld bei Bad Doberan. In der Nähe hatten sich 1171 Zisterziensermönche niedergelassen. Weil für sie nahezu das halbe Jahr mit Fastenzeiten belegt, Fleischverzehr also tabu war, hielten sie nach Alternativen Ausschau. Eine hieß Fisch. Ein hügeliges, etwa 350 Hektar großes Waldgebiet schien für eine terrassenförmige Teichanlage wie geschaffen.  Frisches Quellwasser läuft von der höchsten Erhebung in den jeweils darunterliegenden Teich über. Insgesamt sind es 14 Teiche, die 70 Millionen Liter Wasser fassen. „Ein geniales System. Es gibt nichts Besseres zur Karpfenaufzucht und -mast“, lobt Detlefsen.

 Jeweils im November beginnt das große Abfischen. Tage zuvor ist der 49-Jährige bereits zum Sperrwerk gewatet, um das Wasser aus dem Teich abzulassen. Gleich einem Stöpsel in der Badewanne wird dazu der sogenannte Mönch gezogen. Am Ende finden sich alle Fische an der tiefsten Stelle in einer Pfütze wieder. Das anschließende Abfischen lockt als Spektakel alljährlich Hunderte Schaulustige an. Mit einem Netz, das über den schlammigen Boden gezogen wird, werden nach und nach jeweils bis zu 40 Karpfen aus dem Wasser geholt. In wassergefüllten Behältern geht es per Transporter im Eiltempo zum nahegelegenen Fischereihof, geradewegs in frisch eingelassenes Quellwasser. Im sogenannten Hälterungsbecken sollen die Fische ihren leicht modrigen Geschmack verlieren.

„Ich schwöre auf diese Karpfen. Die besten sind die Zehnpfünder. Je schwerer, umso besser“, sagt Jörg Leithold, der extra aus Rostock angereist ist, um einen Karpfen zu kaufen. Die natürliche Aufzucht während der etwa vierjährigen Mast überzeugt zunehmend mehr Kunden. Auch Naturschützer schätzen das einzigartige Biotop, das der selten gewordenen Rotbauchunke, Kammmolch, Bachneunauge, Edelkrebs und Mopsfledermaus Lebensraum bietet. Dem Status als Naturschutzgebiet folgte 2004 die Aufnahme in das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Dabei hatte der Teichanlage 1998 das komplette Aus gedroht. Bei  sintflutartigen Regenfällen ließen nicht mehr zu beherrschende Wassermassen nahezu alle Dämme brechen. Die Anlage drohte im wahrsten Sinne des Wortes den Bach runterzugehen. Aufwendige Sanierungsmaßnahmen mit staatlicher Unterstützung machten einen wiederholten Neuanfang möglich. Bei der Übernahme 1992 hatte Detlefsen bei Null angefangen. Nachdem durch die zwei Weltkriege die Teichanlagen in Vergessenheit geraten waren, investierten die Angler als Nutzer zu DDR-Zeiten dort kaum Zeit und Geld. Letztmals hatte 1906 ein Forstmeister Hand angelegt. Heute sind die Teiche und der Fischereihof ein Ziel für Anwohner und Urlauber. Ein einstiges Stallgebäude wurde zum Restaurant umgebaut.

An den Teichen ist wieder Ruhe eingezogen. Die Karpfen-Brütlinge sind in tiefe Teichschichten abgetaucht, um den Winter schadlos zu überstehen. Der bislang 30 bis 50 Gramm schwere Nachwuchs war beim Abfischen im November zum Umsetzen gleich mit eingesammelt worden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen