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Brüssel hilft Bauern : Zahltag auf dem Agrarhof

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landwirte in MV bekommen heute 378,3 Millionen Euro EU-Beihilfen überwiesen

svz.de von
erstellt am 30.Dez.2014 | 07:36 Uhr

Brüssel lässt die Bauernkassen klingeln: Die Landwirte Mecklenburg-Vorpommerns bekommen heute vom Steuerzahler ihre diesjährigen Betriebsprämien überwiesen – insgesamt werden 378,3 Millionen Euro ausgezahlt, teilte das Landwirtschaftsministerium in Schwerin mit. Mit den Beihilfen werde ein „erheblicher Beitrag zur Liquiditätssicherung der landwirtschaftlichen Unternehmen am Ende des Kalenderjahres geleistet“, erklärte Agrarminister Till Backhaus (SPD).

Der Beihilfescheck lohnt: 4664 Agrarbetriebe erhalten heute Geld aus Brüssel – im Schnitt 81 110 Euro je Betrieb, als Ausgleich für preiswerte Lebensmittel und die Pflege der Landschaft. Das sichert den Landwirten einen Großteil der Einnahmen. In einigen Betrieben kommt jeder zweite Euro in der Unternehmenskasse aus Brüssel. Das Geld der Steuerzahler reicht den Bauern, einen großen Teil der Personalkosten der nur noch etwa 20 000 Beschäftigten in MV zu decken – 18 915 Euro steuern die öffentlichen Kassen im Schnitt für jeden Arbeitnehmer in der Landwirtschaft bei. Trotzdem räumt die Branche ihren Beschäftigten nur geringe Verdienstmöglichkeiten ein. Kritiker bemängeln schon seit langem die Agrarförderung der EU, die zu wenig an die Sicherung von Arbeitsplätzen gekoppelt ist.

Die Unterschiede sind groß: wenige hundert Euro oder Millionenbeträge je Betrieb. So zählte MV im vergangenen Jahr nach der Subventionsliste der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mindestens zehn Beihilfe-Millionäre. Das summiert sich: Allein drei Betriebe in Westmecklenburg kassierten knapp fünf Millionen Euro an Betriebsprämien – Agrarprodukte Spornitz, Agrargemeinschaft Lübstorf, Agrargenossenschaft Köchelstorf. 2,3 Millionen Euro flossen allein nach Spornitz – Beihilfe-König in MV. Noch mehr erhielt nur noch die Erzeugergemeinschaft für Obst und Gemüse Wittenburg – 2,9 Millionen Euro, allerdings aus einem anderen EU-Fördertopf. Viel Geld für wenige: Weitere etwa 120 Agrar-Betriebe in MV bekamen aus Brüssel zwischen einer halben und einer Million Euro überwiesen.

Die EU-Agrarförderfonds sorgten auch anderswo für volle Kassen: Kommunen, Kirchgemeinden, Sportclubs, Tennisvereine, Gemeinden, das Deutsche Rote Kreuz, Landkreise, Städte, Abwasserzweckverbände – alle ließen sich Projekte von Brüssel bezahlen. Vor allem das Land selbst: Der Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) gehörte 2013 mit 5,7 Millionen Euro zu den größten Subventionsempfängern. Weitere 3,2 Millionen Euro flossen direkt ins Agrarministerium, 3,1 Millionen Euro in die Landesforst. Die mehrheitlich zum Land gehörende Landgesellschaft bekam noch einmal 1,6 Millionen Euro.  

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