Immer mehr Luxusimmobilien : Wohnungen nur für Reiche

<fettakgl>Solche schicken Domizile</fettakgl> wie hier in Berlin findet man als Mieter in jeder Metropole - wenn man es sich leisten kann. Für weniger zahlungskräftige Kundschaft dagegen ist der Markt dünn. <foto>dpa</foto>
Solche schicken Domizile wie hier in Berlin findet man als Mieter in jeder Metropole - wenn man es sich leisten kann. Für weniger zahlungskräftige Kundschaft dagegen ist der Markt dünn. dpa

Mehr als 200 000 neue Wohnungen werden in diesem Jahr fertiggestellt - allerdings vor allem im Luxussegment. Diese Entwicklung ist problematisch, denn wer aufs Geld schauen muss, bekommt ein Problem.

svz.de von
19. Juni 2012, 10:50 Uhr

Rostock/Berlin | Mehr als 200 000 neue Wohnungen werden nach Einschätzung des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) in diesem Jahr fertiggestellt - allerdings vor allem im Luxussegment. Diese Entwicklung sei problematisch, sagte Verbandspräsident Axel Gedaschko gestern in Berlin: "Es wird viel zu wenig für die Gruppe gebaut, die wenig Einkommen hat." Der GdW vertritt rund 3000 Wohnungsunternehmen, die bundesweit sechs Millionen Wohnungen vermieten. Das ist rund ein Drittel des deutschen Mietwohnungsmarktes. Gebaut werde vor allem in Stuttgart, München, Köln/Bonn, Hamburg, Berlin oder dem Rhein-Main-Gebiet. Für Ostdeutschland dagegen diagnostizierte Gedaschko eine "Leerstands-Pandemie". "Hier müssten jährlich 30 000 Wohnungen abgerissen werden", sagte der Verbandspräsident.

Insbesondere in Ballungszentren und Groß- und Universitätsstädten dagegen werden nach Einschätzung des Deutschen Mieterbunds bis 2017 etwa 825 000 Mietwohnungen fehlen, wenn weitergebaut werde wie bisher. "Dann werden die Mieten noch schneller steigen", so Verbandsdirektor Lukas Siebenkotten. "Wir sanieren derzeit noch preiswerte Bestände systematisch vom Markt", warnte auch Gedaschko. Rund 21 Prozent aller deutschen Haushalte erhielten für ihre Wohnung staatliche Unterstützung. Diese Mieter müssten aus energetisch sanierten Wohnungen oft ausziehen. In den vergangenen elf Jahren seien die Nettokaltmieten um 14 Prozent gestiegen. Dass Wohnen so deutlich teurer werde, liege aber am Anstieg der Verbraucherpreise für Gas und Heizöl um 109 Prozent.

Das unterstrich gestern auch der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen bei seiner Jahresmitgliederversammlung in Rostock. Vorsitzender Joachim Wege erläuterte, allein die Energiekosten hätten sich für die Mieter laut Mitgliedsunternehmen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

Am stärksten von der Steigerung der Mietpreise betroffen sind laut Mieterbund die zehn Prozent der Haushalte, die im Jahr umziehen. Oft seien dies junge Menschen, die eine Familie gründeten oder aus beruflichen Gründen den Ort wechseln oder Studenten. Siebenkotten forderte eine gesetzliche Begrenzung von Neuvertragsmieten - diese sollten die ortsüblichen Mieten um maximal zehn Prozent übertreffen dürfen.

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