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Wo ist das Fleisch nur geblieben?

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erstellt am 11.Apr.2013 | 07:47 Uhr

Amsterdam | 50 Millionen Kilogramm Fleisch: Die Menge ist unvorstellbar. Sie entspricht etwa der Ladung von 2000 großen Lastwagen - und muss nun in 16 Ländern aufgespürt werden, vor allem in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und Spanien. Keiner weiß, ob diese Ware Pferdefleisch enthält und ob es schädlich ist. Genau das aber ist das Problem. Von welchen Tieren das Fleisch stammt, ist unklar. Daher kann die niederländische Kontrollbehörde für Lebensmittel die Sicherheit nicht garantieren. Die Rückrufaktion der Behörde löste gestern eine Schockwelle in Europa aus - der Pferdefleischskandal vom Jahresbeginn ist weitaus größer als angenommen. Und die Spuren weisen in die Niederlande.

Im kleinen Städtchen Oss im südniederländischen Brabant ist der Betrieb des Fleischgroßhändlers Willy Selten. Gut 125 Mitarbeiter sind "Experten im Entbeinen und Verarbeiten von Fleisch", wie s auf der Homepage des Unternehmens hieß. Es verkaufte Fleisch an Zwischenhändler und fleischverarbeitende Betriebe in ganz Europa. Doch dann gerät das Unternehmen in Geldnot und soll zum billigen Pferdefleisch gegriffen haben. Das verkaufte der Händler dann als reines Rindfleisch, meldeten Mitarbeiter anonym bereits im Dezember den Behörden. Als dann im Februar in Europa Pferdefleisch in Lasagne und Hackbällchen gefunden wird, fällt auch der Name von drei niederländischen Firmen. Eins davon ist das von Willy Selten. Tatsächlich finden die Kontrolleure am 15. Februar in zwei seiner Proben Pferdefleisch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Unternehmer wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Geldwäsche.

Selten tat das als menschlichen Fehler ab. "So viel Aufregung, dabei geht es höchstens um ein Pferd", sagte er damals dem niederländischen Fernsehen. Doch bis Mittwoch konnte er der Behörde nicht nachweisen, wo das Fleisch herkam, das er in den vergangen zwei Jahren verarbeitet und verkauft hatte.

Damit begann die größte Rückrufaktion der niederländischen Geschichte. "Wenn wir die Herkunft des Fleisches nicht wissen", so erklärte der Sprecher der Kontrollbehörde, Benno Bruggink, "dann können wir auch die Sicherheit nicht garantieren". Auch wenn es keine konkreten Hinweise auf Gesundheitsgefahren gibt, die Behörde musste handeln.

Bisher ging es bei dem Pferdefleischskandal zunächst um eine Vertrauensfrage. Die Volksgesundheit war nicht in Gefahr, denn Pferdefleisch ist nicht schädlich. Nationale Regierungen und die EU-Kommission versprachen strengere Kontrollen. Schließlich hat der Verbraucher ein Recht darauf zu wissen, was in seinem Hamburger oder seiner Gulaschsuppe steckt.

Doch beim niederländischen Skandal geht es nun nicht mehr nur um eine Geschmacksache, sondern um die Gesundheit. Die Kontrollbehörde kann nämlich nicht ausschließen, dass der Händler Willy Selten mit unkontrolliertem Pferdefleisch regelrecht panschte. Und das könnte für Menschen schädliche Medikamente oder Krankheitskeime enthalten.

Betroffen sind nach einer ersten Bilanz des Bundesverbraucherschutzministeriums auch 124 Händler, Metzger und Lebensmittelfirmen in 14 der 16 Bundesländer. Sie sollen umdeklariertes Fleisch aus Holland erhalten haben.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU): "Die niederländischen Behörden haben versichert, dass hier hart durchgegriffen und alles getan wird, um den Hintermännern das Handwerk zu legen", erklärte die CSU-Politikerin.

Es ist allerdings fraglich, ob es je Gewissheit über den Verbleib des Fleisches geben wird. Denn das Meiste der 50 000 Tonnen wird bereits verzehrt sein. Das, was in Tiefkühlgerichten verarbeitet wurde, muss nun aufgespürt und untersucht werden. Erst dann wird man wissen, ob tatsächlich Pferdefleisch beigemischt wurde und dies schädliche Stoffe enthielt.

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