Erdgasgewinnung : Wird Fracking verboten?

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Umweltbundesamt warnt vor Risiken und fordert gesetzliche Regelung. Hintergründe zur umstrittenen Technologie

svz.de von
31. Juli 2014, 11:45 Uhr

Chance oder Risikotechnologie? Über kaum eine Technologie wird in Deutschland derzeit so gestritten wie über das Fracking zur Erdgasgewinnung aus großer Tiefe. Das Umweltbundesamt hat nun noch einmal die Risiken benannt und fordert eine schnelle gesetzliche Neuregelung. Die Koalition ringt noch um Einigkeit. Kommt jetzt ein generelles Verbot in Deutschland? Oder bleibt die Tür offen für Probebohrungen und Modellversuche hierzulande? Hintergründe von Rasmus Buchsteiner.


Wie funktioniert Fracking?
Es geht um Gas- oder Ölvorkommen in Schieferton-Formationen, Kohleflözen und dichtem Sandstein. Beim so genannten unkonventionellen Fracking werden unter hohem Druck Wasser und Chemikalien ins Gestein gepresst und so Risse erzeugt, damit das Gas entweichen und über Rohre an die Oberfläche gelangen kann.

Gibt es in Deutschland bereits Projekte?
Laut Umweltbundesamt hat es bisher drei Fracking-Projekte bei Schiefergasvorkommen gegeben, alle in Niedersachsen. In Nordrhein-Westfalen gab es bereits in den 90er-Jahren zwei Fracking-Projekte mit Kohleflözgas.

Was weiß man über die Gasvorkommen?
In Deutschland werden große Lagerstätten vermutet. Studien zufolge könnte damit unter Umständen mehr als zehn Jahre der Bedarf an Gas gedeckt werden. Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) lagern in Deutschland bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter in Kohleflözen, Schieferton- oder Sandsteinformationen.

Welche Gefahren bestehen bei Fracking?
Das Umweltbundesamt verweist vor allem auf Gefahren für das Grundwasser in Deutschland, unter anderem durch so genannten „Flowback“. Dabei handelt es sich nicht nur um Fracking-Flüssigkeit, sondern auch weitere – ausgewaschene – Substanzen aus dem Untergrund wie Schwermetalle. Die Erforschung der Risiken von Fracking über dicht besiedelten Gebieten wie in Deutschland steht erst am Anfang. „Solange sich wesentliche Risiken dieser Technologie noch nicht sicher vorhersagen und damit beherrschen lassen, sollte es in Deutschland kein Fracking zur Förderung von Schiefer- und Kohleflözgas geben“, verlangt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes.

Wie argumentierenFracking-Befürworter?
Sie verweisen vor allem auf die Vereinigten Staaten, die sich mit Hilfe von Gas-Fracking für lange Zeit weitgehend unabhängig von Importen gemacht hätten. Angesichts der Ukraine-Krise sei es ein wichtiges Anliegen, die Abhängigkeit von russischen Erdgas-Lieferungen zu verringern, so Befürworter.

Was plant die Bundesregierung?
Fracking-Vorhaben zur Gasförderung aus Schiefer- und Kohleflözgestein oberhalb von 3000 Metern sollen durch das Wasserhaushaltsgesetz verboten werden. Erprobung zur Erforschung auf Umwelt und Untergrund würden möglich bleiben, „wenn die eingesetzte Frackingflüssigkeit nicht wassergefährdend ist“, heißt es im Eckpunktepapier der Bundesregierung. Vor Tiefbohrungen müssten umfassende Umweltverträglichkeitsprüfungen erfolgen.

 

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