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Demografischer Wandel : Wir werden immer weniger

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Demographischer Wandel: Das jüngste Gipfeltreffen von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden hat wenig Konkretes gebracht. Vor welche Herausforderungen stellt der demographische Wandel Deutschland?

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erstellt am 04.Okt.2012 | 07:54 Uhr

Berlin | Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den demographischen Wandel zur Chefsache gemacht. Doch auch das jüngste Gipfeltreffen von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden hat wenig Konkretes gebracht. Vor welche Herausforderungen stellt der demographische Wandel Deutschland? Hintergründe von Andreas Herholz.

Wie entwickelt sich die Bevölkerung in Deutschland?

Nach Berechnungen der Bundesregierung wird die Bundesrepublik im Jahr 2060 rund 17 Millionen Einwohner weniger zählen, die Bevölkerungszahl würde um ein Fünftel zurückgehen. Jeder dritte Deutsche wäre dann 65 Jahre oder älter.

Die Zahl der Geburten ist auf den niedrigsten Stand in der Geschichte der Bundesrepublik gesunken. 2011 kamen 663 000 Kinder zur Welt, 15 000 weniger als im Vorjahr. Tendenz weiter rückläufig. Bereits seit vier Jahrzehnten liegt die Zahl der Sterbefälle hierzulande Jahr für Jahr höher als die der Geburten. Die Deutschen werden zudem immer älter: Männer durchschnittlich 77 Jahre, Frauen 82 Jahre alt. Die neuen Länder wären von der demographischen Entwicklung besonders betroffen. Anhaltende Landflucht und Abwanderung in Großstädte zeichnen sich aber auch in anderen Regionen ab und dürften dazu führen, dass immer mehr Landstriche kaum oder gar nicht mehr besiedelt wären.

"Deutschland verändert sich. Wir werden weniger und im Durchschnitt älter. Wir werden vielfältiger, der Anteil der Menschen mit Zuwanderungshintergrund nimmt zu", beschreibt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Entwicklung. Neben der Globalisierung sei der demographische Wandel "die größte Veränderung unseres gesellschaftlichen Lebens".

Wie will die Bundesregierung den Herausforderungen begegnen?

Im April hatte die Bundesregierung unter dem Titel "Jedes Alter zählt" ihre Demographiestrategie vorgelegt, mit der die Zusammenarbeit der Ministerien untereinander, aber auch mit Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden bei diesem Thema verbessert werden soll. Der gestrige Gipfel in Berlin diente vor allem der Einsetzung von sechs Arbeitsgruppen, die konkrete Lösungskonzepte entwickeln und folgende Themen bearbeiten sollen: "Familie als Gemeinschaft stärken", "Motiviert, qualifiziert und gesund arbeiten", "Selbstbestimmtes Leben im Alter", "Lebensqualität in ländlichen Räumen und integrative Stadtpolitik fördern", "Grundlagen für nachhaltiges Wachstum und Wohlstand sichern" und "Handlungsfähigkeit des Staates erhalten".

Was erwarten Wirtschaft und Gewerkschaften?

"Wir gehen mit keinen hohen Erwartungen in den Gipfel", hatten Arbeitgebervertreter bereits im Vorfeld signalisiert. Die Wirtschaft fordert vor allem eine wirksamere Bekämpfung des Fachkräftemangels, pocht auf eine Reform der Sozialversicherungssysteme, um sie vor dem Hintergrund der demographischen Veränderung zukunftssicher zu machen. So fordern die Arbeitgeberverbände erleichterte Zuwanderung für Fachkräfte und eine Willkommenskultur in Deutschland. Auch die Gewerkschaften setzen bisher keine allzu großen Erwartungen in die Regierungsinitiative. DGB-Chef Michael Sommer war gestern nicht einmal dabei. Außer der Einsetzung der Arbeitsgruppen, Kommuniqués und ein paar Reden, die wenig Neues und Konkretes lieferten, gab es gestern keine Ergebnisse. Bis zum nächsten Gipfeltreffen im Frühjahr 2013 sollen die Arbeitsgruppen erste Konzepte vorlegen.

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