Mecklenburg Vorpommern : Windräder nerven Urlauber

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Studie: Zwei Drittel der reisenden Deutschen stören Eingriffe ins Landschaftsbild / Verband fordert Verbauungsverbot weiter Bereiche des Horizonts

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08. Juli 2014, 07:55 Uhr

Freier Blick über die Ostsee statt Windkraftspargel vor der Küste: Jeder zwölfte Urlauber in MV fühlt sich von der wachsenden Zahl neuer Windenergieanlagen an der Ostseeküste und an Land genervt. Das geht aus einer gestern vorgelegten Studie des Kieler NIT-Instituts für Tourismus und Bäderforschung hervor. Die ersten Gäste ziehen bereits Konsequenzen: 1,1 Prozent der Touristen machen künftig in ihrem Urlaub um die Windkraftanlagen einen Bogen und wollen den Nordosten nicht wieder besuchen – überdurchschnittlich viele, teilte der Landestourismusverband gestern mit, der die Studie in Auftrag gegeben hatte. Ein weiterer Windkraftausbau in Tourismusgebieten würde das Bild vermutlich weiter zum Negativen verschieben, meinte Jürgen Seidel, Präsident des Landestourismusverbandes: „Insbesondere die nahe der touristischen Zentren im Landesinneren und die im Küstenmeer vor Ostseebädern geplanten Gebiete für die Windenergiegewinnung vertragen sich in ihrer Dimension sowie in ihrer Lage nicht mit der für erfolgreichen Tourismus notwendigen Landschaftsprägung“.

Damit wächst wenige Tage nach dem Ende der Einspruchsfrist gegen den ersten Entwurf des neuen Landesraumentwicklungsprogramms der Widerstand. MV plant u. a. entlang der Küste einen Ausbau von Offshore-Anlagen und will dazu die Windeignungsflächen verzehnfachen. Vor der Insel Poel, vor Rerik, Heiligendamm, Graal-Müritz, aber auch nordwestlich vor Hiddensee, östlich von Rügen und vor Boltenhagen sollen vor der Ostseeküste Flächen für Offshore-Anlagen reserviert werden – 500 Quadratkilometer groß, teilweise nur sechs Kilometer vor der Küste. Das sehen die Touristen skeptisch: Deutsche Urlauber tolerierten Eingriffe in die Landschaft nur noch bedingt, so der Verband. Bereits jetzt würden knapp zwei Drittel der reisenden Deutschen Eingriffe in ihre Urlaubsregion wahrnehmen, die das Landschaftsbild störten, so die Studie. Jeder zehnte Urlauber fühlt sich durch Bauten wie Autobahnen, Hochhäuser, Solaranlagen oder Windräder gestört. Weitere Vorranggebiete für Windenergieanlagen in der Nähe touristischer Zentren seien ein Risiko für die Branche und eine Gefahr für das Image des gesamten Bundeslandes. Tourismus-Präsident Seidel: Die Branche stelle sich nicht gegen die energie- und industriepolitischen Ziele des Bundes und des Landes. „Aber wir fordern einen Ausbau mit Maß.“ Seidel forderte, in der neuen Landesplanung wie für die Bereiche Energie und Landwirtschaft auch für den Tourismus Vorranggebiete auszuweisen. Zudem müsse die Minimaldistanz der Eignungsgebiete zur Küste vergrößert und eine „Verbauung weiter Bereiche des Horizontes“ ausgeschlossen werden.

Das Energieministerium hatte indes Änderungen in der Flächenplanung nicht ausgeschlossen. Der erste Entwurf zeige nur das „planerisch Machbare“, so Ministeriumssprecher Steffen Wehner: Im zweiten Entwurf würden die Gebietskulissen sicher anders aussehen.

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