Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommern : Windparkpläne geplatzt

Aufatmen in der Tourismusbranche: Windparks wie „EnBW Baltic 1“ vor dem Darß sollen Urlauber nicht stören .
Aufatmen in der Tourismusbranche: Windparks wie „EnBW Baltic 1“ vor dem Darß sollen Urlauber nicht stören .

Landesregierung verkleinert Flächen nach Protesten von Schifffahrt, Fischerei, Tourismus um zwei Drittel

svz.de von
14. April 2015, 20:30 Uhr

Die hochfliegenden Pläne der Landesregierung für Windparks vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommern sind zu einem großen Teil geplatzt. Nach massiven Einwänden aus der Schifffahrt, der Fischerei, von Touristikern und Naturschützern sind von den geplanten 580 Quadratkilometern Offshore-Windparkflächen im Küstenmeer ganze 197 Quadratkilometer übriggeblieben.

Zunächst sollten die Windparks bis zu sechs Kilometer an die Küste heranreichen - jetzt sind es gut zehn Kilometer. Zur See hin setzte die Schifffahrtsverwaltung größere Sicherheitsabstände zu den Schifffahrtsrouten durch.

Auf den verbleibenden Flächen, die sich auf vier Gebiete vor Warnemünde, vor dem Darß, vor Hiddensee und nördlich von Rügen verteilen, könnten 380 bis 400 Windräder errichtet werden, sagte Energieminister Christian Pegel (SPD) gestern in Schwerin. Allerdings steht diesen Plänen noch eine zweite Runde des Beteiligungsverfahrens bevor. Die endgültige Gebietskulisse für Windpark-Areale im Küstenmeer (bis zwölf Seemeilen vor dem Strand) soll im Frühjahr 2016 stehen. Trotz der Reduzierung der Gebiete um fast zwei Drittel gab Pegel sich optimistisch, was den Ausbau der Offshore-Windenergienutzung in MV angeht. Zusammen mit den bereits genehmigten Flächen in der Ausschließlichen Wirtschaftszone mehr als zwölf Seemeilen vor der Küste, für die der Bund zuständig ist, könnten bis 2030 rund 600 Windräder in der Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern errichtet werden. Damit sei in der Ostsee ein solider Beitrag zur Energiewende leistbar, sagte er. Windräder auf See gelten als besonders wichtig, weil der Wind dort fast ständig weht und damit die Grundlast abgedeckt wird.

Die Windkraftbranche reagierte tief enttäuscht. Der Vorstandsvorsitzende des Windenergy Network, Andree Iffländer, sagte in Rostock: „Das Offshore-Land Mecklenburg-Vorpommern ist praktisch Geschichte.“ Der große Wurf, eine führende Rolle zu übernehmen, sei ausgeblieben. Die neue Flächenkulisse entspreche zu 100 Prozent den Forderungen der Tourismusbranche. „Das sind Alibiflächen“, sagte Iffländer. Die Landesregierung, die mit mutigen Ausbauplänen gestartet sei, habe eine Kehrtwende vollzogen. Die Entscheidung des Landes werde zudem die Streitbereitschaft der Windkraftgegner an Land erhöhen, befürchtet Iffländer.

In der Tourismusbranche ist man hingegen zufrieden. „Wir merken aus vielen Reaktionen aus der Branche, dass es ein vorläufiges Aufatmen gibt“, sagte der Sprecher des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf. „Gleichzeitig wird aus der Branche heraus die Sorge an uns herangetragen, dass die Reduzierung einen noch intensiveren Ausbau der Windkraft an Land zur Folge haben könnte.“

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