Erneuerbare Energien kontra Tierschutz : Windkraftplanung missachtet Artenschutz

Naturschutzbund beklagt: Mindestabstände von Windanlagen zu Brutplätzen des Schrei- und Seeadlers würden teilweise ignoriert.

svz.de von
25. November 2015, 17:01 Uhr

Der Naturschutzbund (Nabu) in Mecklenburg- Vorpommern fordert die Planer von Windkraftanlagen auf, die anerkannten Abstände zu bedeutsamen Lebensräumen von Vögeln einzuhalten. So würden im Regionalen Raumentwicklungsprogramm Vorpommern, das derzeit überarbeitet wird, insbesondere die Ansprüche des streng geschützten Schreiadlers regelrecht missachtet, sagte der Nabu-Landesvorsitzende Stefan Schwill am Mittwoch.

Er berief sich auf das 2008 von der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarte (LAG) herausgegebene sogenannte Helgoländer Papier, das Abstandsempfehlungen zu Lebensräumen und Brutplätzen enthält.

Diese Empfehlungen seien bereits Grundlage verschiedener Gerichtsentscheidungen gewesen.  Das Helgoländer Papier empfiehlt 6000 Meter Mindestabstand von Windrädern zu Schreiadler-Brutplätzen. „Eine ganze Reihe von neu vorgeschlagenen Windeignungsgebieten hält diesen Mindestabstand zum nächsten Schreiadlerhorst nicht ein. Für einige Gebiete ist sogar die Einhaltung des deutlich weniger strengen Abstandskriteriums des Energieministeriums von 3000 Metern fraglich“, kritisierte Schwill.

Das vorgeschlagene Gebiet in Boldekow (Vorpommern-Greifswald) ist laut Nabu völlig ungeeignet. Ein Windpark dort würde das benachbarte Vogelschutzgebiet „Großes Landgrabental, Galenbecker und Putzarer See“ beeinträchtigen. Windräder auf dem direkten Flugweg zwischen Brutplätzen und Nahrungsgebieten zweier Seeadlerhorste würde das Tötungsrisiko für die Tiere erhöhen und sei zudem finanzieller Unsinn, argumentieren die Natürschützer.

In der Landgrabenniederung seien Gewässerflächen als Kompensationsmaßnahme für den Bau der Autobahn 20 geschaffen worden.

Dort würden Seeadler und andere Vögel Nahrung finden. „Diesen gerade erst mit finanziellem Aufwand geschaffenen Lebensraum nun durch eine andere Planung wieder zu entwerten, ist vollkommen widersinnig“, sagte Nabu-Vorstandsmitglied Martin Graffenberger.

Weiter kritisiert der Nabu das geplante Windeignungsgebiet an der Friedländer Große Wiese, einem Rast-, Durchzugs- und Überwinterungsgebiet vor allem für Kraniche und Wildgänse. Nach Ansicht des Nabu darf der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht zu Lasten der Artenvielfalt gehen. 


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