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Arbeitsmarktzahlen : Wieder mehr Arbeit für über 50-Jährige

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Arbeitslosenzahl sinkt im Land auf niedrigsten Wert seit der Wende

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2014 | 07:55 Uhr

Neue Chance auf dem Arbeitsmarkt: Allein im letzten Monat konnten in Mecklenburg-Vorpommern 650 Männer und Frauen in Arbeit vermittelt werden, die 50 Jahre oder älter waren. Das sind zwei Prozent der Arbeitslosen in dieser Altersgruppe. „In Einzelfällen kamen sogar über 60-Jährige zum Zuge“, betont die Regionalchefin der Agentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann. Das mache Mut. Die Entwicklung sei ein Beleg dafür, dass Maßnahmen im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit langsam fruchten. Denn fast die Hälfte (47,2 Prozent) der Arbeitsuchenden über 50 Jahre ist länger als ein Jahr ohne Job.

Gestern stellte Haupt-Koopmann die Arbeitsmarktzahlen für Juli vor – und konnte dabei gleich mehrere Spitzenwerte verkünden: Noch nie seit der Wende war die Zahl der Arbeitslosen im Land mit 86 400 so niedrig. Gegenüber dem Juni konnte ein Rückgang um 1000 Arbeitslose verzeichnet werden, gegenüber dem Juli 2013 sogar um 4100. Innerhalb von zehn Jahren habe sich die Zahl der Arbeitslosen halbiert, so die Agenturchefin.

Verantwortlich seien unter anderem demografische Faktoren: Monatlich gehen im Land etwa 1200 Menschen in Rente. Andererseits gebe es aber auch eine höhere Arbeitskräftenachfrage. Die Zahl der offenen Stellen habe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent zugenommen, so Haupt-Koopmann. „Seit Jahresbeginn wurden den regionalen Arbeitgeberservice-Teams 26 400 sozialversicherungspflichtige Arbeitsangebote gemeldet.“ Besonders das Gastgewerbe, das Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Handel suchen Personal.

Diese Bereiche sind es auch in erster Linie, in denen noch besonders viele freie Lehrstellen angeboten werden. Aktuell stehen 4700 unbesetzten Ausbildungsplätzen 2900 unversorgte Jugendliche gegenüber.

Ein Wermutstropfen trübt die Statistik: Die Jugendarbeitslosigkeit ist um sechs Prozent gestiegen – „wie immer im Juli, wenn sich Jugendliche nach Abschluss der Schul- oder Berufsausbildung vorübergehend arbeitslos melden“, so die Agenturchefin.

 

KOMMENTAR von Karin Koslik

 

Lichtblick für  Langzeitarbeitslose
Es  geht aufwärts auf dem Arbeitsmarkt. Seit Monaten belegen das die Statistiken, die aktuell mit 86400 Arbeitslosen den besten Wert für Mecklenburg-Vorpommern seit der Wende ausweisen. Seit Jahresbeginn haben sich  zwar 134923 Menschen neu arbeitslos melden müssen, im gleichen Zeitraum konnte aber 148 830 Arbeitslosen eine Stelle vermittelt werden. 

Aufwärts geht  es endlich auch für die Langzeitarbeitslosen im Land: Zwar sind noch immer knapp 38000  Frauen und Männer länger als ein Jahr ohne Arbeit – doch vor einem Monat waren es noch fast 600 mehr.

Allerdings:
Es hat auch schon deutlich weniger Langzeitarbeitslose gegeben, im Sommer 2013 lag ihre Zahl im Land noch um gut 1800 unter der von heute.

Das  Problem  ist: 
Langzeitarbeitsloser ist nicht gleich Langzeitarbeitsloser. Die alleinerziehende Mutter kann nicht in einen Topf geworfen werden mit dem arbeitslosen Akademiker und der nicht mit einem Mittfünfziger ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Oft kommen noch weitere Probleme dazu: in der Partnerschaft, durch Alkohol, soziale Isolation, Schulden…

Vor den Arbeitsagenturen steht die Aufgabe, sich auf diese ganz unterschiedlichen Menschen einzustellen, ihre dennoch vorhandenen Stärken zu entdecken und zu fördern und ihnen so ihren individuellen Weg zurück auf den ersten Arbeitsmarkt zu bahnen.  

Doch das schaffen sie nicht allein – Langzeitarbeitslosigkeit wird mehr und mehr zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe.
Gefragt sind zum Beispiel die Landkreise, in deren – vom Gesetz festgeschriebener – Verantwortung die Schuldnerberatung liegt. Sie müssen dafür sorgen, dass Langzeitarbeitslose schnell und nicht erst in einem Jahr einen Termin bekommen – damit sie den Kopf wieder frei bekommen für die Arbeitssuche. Ähnlich sieht es bei Therapien für psychisch oder Suchtkranke aus.

Gefragt sind aber auch die Arbeitgeber. Statt Bewerber jenseits der 50 gleich nach Aktenlage auszusortieren, sollten sie ihnen die Chance geben, sich persönlich vorzustellen und/oder sich in einem Praktikum zu beweisen – das im Übrigen von der Arbeitsagentur gefördert werden kann. Denn Lebenserfahrung kann so manche Lücke im beruflichen Lebenslauf wieder wett machen. Immer mehr Firmen erkennen das offenbar – wie die gesunkene Zahl der Langzeitarbeitslosen zeigt. Die übrigen werden die Zeit und der demografische Wandel dazu zwingen.

 

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