Entwarnung : Wertverlust am Windfeld

Streitthema: Windräder
Streitthema: Windräder

Wissenschaftler: Auswirkungen von Öko-Kraftwerken auf Immobilienpreise geringer als von Kritikern benannt

svz.de von
15. September 2015, 21:00 Uhr

Entwarnung am Windfeld: Der Aufbau immer neuer Windkraftanlagen in Mecklenburg-Vorpommern hat weit geringere Auswirkungen auf den Wert von benachbarten Immobilien als bislang von Kritikern benannt. Wie der Bau eines neuen Supermarktes, einer Straße oder einer Industrieanlage auch könne durch den Aufbau der Windräder allenfalls kurzfristig ein Wertverlust von schätzungsweise bis zu 20 Prozent entstehen, erklärte Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School Bochum, gestern in Wismar: Allerdings „wirkt sich jede Veränderung auf die Immobilienpreise aus“, argumentierte Vornholz. Der Wissenschaftler untersucht seit Jahren die Auswirkungen neuer Windräder auf den Immobilienmarkt. Ein möglicher Wertverlust „ist nicht „windkraftspezifisch“, sagte Vornholz gestern beim sechsten von neun Windkraftforen in diesem Jahr. Mit der Veranstaltungsreihe will Energieminister Christian Pegel (SPD) für Aufklärung über die Windkraft-Nutzung sorgen und für eine Versachlichung der Debatte sorgen. Die Informationskampagne, die jeweils live im Internet verfolgt werden kann, soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

Die Kritik ist groß: Schattenwurf, Betriebslärm, ein verändertes Landschaftsbild – Grundstückseigentümer in Mecklenburg-Vorpommern laufen schon seit Monaten gegen den massiven Ausbau neuer Windeignungsgebiete Sturm. Der Aufbau immer neuer Windräder führe zu einem deutlichen Wertverlust der Immobilien, kritisierte Holger Becker, Sprecher des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN), gestern. Vor allen in strukturschwachen Regionen, in denen bereits heute immer mehr Menschen wegziehen würden, erschwerten neue Windfelder das Immobiliengeschäft: „Das kann bis zur Unverkäuflichkeit der Immobilien gehen – Totalverlust“, meinte Becker.

Immobilienexperte Vornholz lässt den negativen Einfluss der Windkraftanlagen als ausschließlichen Faktor indes nicht gelten: So hätten beispielsweise Preisanalysen in Aachen gezeigt, dass ausgerechnet Immobilien, die am nächsten zu einem Windenergiepark standen, steigende Preise verzeichneten. Langfristig seien vor allem die wirtschaftliche sowie demografische Entwicklung einer Region ausschlaggebend für die Entwicklung der Immobilienpreise, meinte Vornholz. Zudem könnten Bürgerinitiativen mit ihrer Warnung von einem Wertverlust der Immobilien den von ihnen befürchteten Preisrückgang auch erst herbeiführen, weil sie potenzielle Käufer abschreckten, warnte der Wissenschaftler. Allerdings fange sich der Markt oft, sobald die Anlagen errichtet seien und zum Alltag in der Region würden. Vornholz appellierte an die Kritiker, sich über die tatsächlichen Auswirkungen neuer Windkraftanlagen zu informieren. Zudem forderte von Anlagenbetreibern, Betroffene zu Beteiligten zu machen, um die Akzeptanz vor Ort zu erhöhen.  

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