zur Navigation springen

Wirtschaft : Werkstoffe aus Wald und Feld: Neue Chancen für Biomasse

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schrittweise könnten nachwachsende Ressourcen das Erdöl in immer mehr industriellen Produkten ersetzen

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2014 | 17:18 Uhr

Nicht nur auf den Teller, auch in den Tank kommen Produkte aus der Landwirtschaft schon längst. Bald könnte auch die Industrie ein immer wichtigerer Abnehmer für die Bauern werden. Weil die Weltbevölkerung wächst und Rohstoffe knapper werden, sind viele Branchen auf der Suche nach praktikablen Alternativen. Da haben Feld, Wald und Wiese einiges zu bieten, sagen Experten.

Vor allem die chemische Industrie nutzt bereits nachwachsende Rohstoffe, z. B. für die Herstellung von Kunststoffen auf pflanzlicher Basis. Aber auch Dämmstoffe aus Naturfasern für energetische Sanierungen, Latex aus Löwenzahn für die Herstellung von Winterreifen oder Verbundwerkstoffe für Formteile im Autoinnenraum gehören zu den Produkten.

Zwar stünden Forschung und Entwicklung in vielen Bereichen noch am Anfang. Von einem Milliarden-Markt sei aber allemal auszugehen, sagt der frühere Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Helmut Born. Das Interesse der Landwirte an dem Thema sei groß. Wie für jeden anderen Wirtschaftszweig gelte auch hier: Je mehr Absatzstränge, desto weniger abhängig sei man von Schwankungen auf den Märkten, sagt Born.

Intensiv geforscht wird zum Beispiel am traditionsreichen Chemie-Standort Leuna in Sachsen-Anhalt. In einem dort ansässigen Zentrum der Fraunhofer-Gesellschaft können Partner aus Industrie und Wissenschaft die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in Pilotanlagen untersuchen. Ein Schwerpunkt ist dabei Buchenholz, dessen Inhaltsstoffe sich etwa als Zutat für Klebstoffe und Lacke, aber auch als Grundstoffe der chemischen Industrie eignen könnten, erklärt ein Sprecher des BioEconomy Cluster in Halle.

Die Forscher setzen auch darauf, dass eine Massenproduktion die aus den nachwachsenden Rohstoffen gewonnenen Produkte kostengünstiger und wettbewerbsfähig macht. In einigen Bereichen ist das auch bereits der Fall, wie Daten des Verbandes der Chemischen Industrie zeigen. Demnach waren von den 21,4 Millionen Tonnen Rohstoffen, die in der Branche 2011 verwendet wurden, 18,7 Millionen Tonnen fossilen Ursprungs – bei den übrigen 2,7 Millionen Tonnen handelte es sich um nachwachsende Rohstoffe. Umweltschützer wiederum sehen die Nutzung nachwachsender Rohstoffe etwa für die Kunststoffherstellung durchaus kritisch. Allein der Begriff „nachwachsende Rohstoffe“ könne suggerieren, dass solche Ressourcen unbegrenzt vorhanden sind, mahnt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). „Das ist ein Irrtum. Denn die Erzeugung pflanzlicher Rohstoffe verbraucht Böden, Dünger und häufig Pestizide.“ Zudem bestehe die Gefahr, dass nachwachsende Rohstoffe in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelherstellung treten.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen