Energieminister Pegel : „Wer den Atomausstieg will, braucht die Windkraft“

35ey4949

Tourismus gegen Öko-Strom-Branche – Energieminister mahnt zur Zusammenarbeit: Wirtschaft und Tourismus sind gut vereinbar

svz.de von
27. November 2014, 07:54 Uhr

In MV wird der Ausbau der Windenergie vorangetrieben. Im Spannungsfeld von Wirtschaft und Tourismus ist die Energiepolitik nicht konfliktfrei. Thomas Schwandt sprach mit Energieminister Christian Pegel (SPD).

Kritik am Windkraftausbau: Neue Windfelder würden Arbeitsplätze gefährden, spitzt der Hotel- und Gaststättenverband zu. Vernichtet der energiepolitische Kurs Jobs?

Pegel: Diese Sorgen nehmen wir ernst, denn unbestritten ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Generell aber ist die Windkraft ein bedeutender Wachstums- und Jobmotor. Insbesondere die Offshore-Windparks sind ein wesentlicher Baustein der Energiewende. Sie sind besonders geeignet hinsichtlich der Grundlastfähigkeit und Versorgungsicherheit. Daneben sorgt die Offshore-Windindustrie im Land für neue Aufträge in der maritimen Wirtschaft. Studien und Erfahrungen aus Nachbarländern zeigen, dass Wirtschaft und Tourismus gut vereinbar sind. Wer den Atom- und Kohleausstieg will, braucht Windkraft an Land und auf See – das wissen auch unsere Touristen.

176 000 Mitarbeiter verdienen ihr Geld im Tourismus, in der Windbranche sind es 4000. Sind damit die Claims da nicht klar abgesteckt?

Es besteht allgemein Konsens, dass Mecklenburg-Vorpommern neben Tourismus und Ernährungswirtschaft weitere, vor allem industrielle Wirtschaftsstandbeine braucht. Nach neuesten Erhebungen liegt die Beschäftigtenquote im Bereich der Erneuerbaren Energien in MV bei über 23 je 1000 Arbeitsplätze. Damit liegt die Quote deutlich über dem bundesdeutschen Schnitt von 10 bis 11 Beschäftigten. MV nimmt im Ländervergleich den zweiten Platz ein.

Den Konflikt entschärft das nicht. Wie wollen Sie das Problem lösen?

Es kann nicht überraschen, dass im Tourismusland MV ein Ausbau der Windenergie zu Konflikten mit anderen Raumnutzungen führt. Um den Raumanspruch verschiedener Nutzungen zu „managen“, das heißt, wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen und gleichzeitig die naturräumlichen Grundlagen zu erhalten, nutzen wir seit 2005, und das erstmalig in Deutschland, die Raumordnung auf See.

Was heißt das konkret?

Um auch künftigen Raumansprüchen Rechnung zu tragen, schreiben wir das Landesraumentwicklungsprogramm fort. Im ersten Beteiligungsverfahren sind zahlreiche Hinweise und Anregungen eingegangen. Diese werden für das anschließende Abwägungsverfahren ausgewertet.
Im Erneuerbaren-Energie-Gesetz wurde die Gesamtleistung von Offshore-Windparks vor der deutschen Küste bis 2030 auf 15 Gigawatt (GW) begrenzt.

Das Potenzial auf der Ostsee vor MV wird auf 5 bis 6 GW geschätzt. Wie viel davon soll erreicht werden?

Wir wollen auf See einen deutlichen Zubau. Im EEG ist festgehalten, bis zum Jahr 2020 sollen 6,5 Gigawatt Offshore-Strom in Nord- und Ostsee am Netz sein. Dabei hat die Ostsee eine reelle Chance, von diesen 6,5 Gigawatt zu profitieren. Nach dem schon produzierenden Windpark „Baltic 1“ vor dem Darß wird derzeit gut 32 Kilometer nordöstlich von Rügen der Windpark „Baltic 2“ errichtet. Mindestens zwei weitere Parks im Seegebiet vor Rügen, in die der spanische Energiekonzern Iberdrola und der deutsche Stromversorger E.ON investieren, sind genehmigt. Ein weiteres Projekt, „Arcadis Ost 1“, hat unlängst die Genehmigung erhalten.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen