Landwirtschaft : Wenn Kühe schwitzen

Kühe und ihre Kälber auf einer Wiese bei Ralswiek auf der Insel Rügen
Kühe und ihre Kälber auf einer Wiese bei Ralswiek auf der Insel Rügen

Der Klimawandel soll für Nutztiere erträglicher werden - Dummerstorfer Forscher arbeiten an Lösungen

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20. August 2015, 08:00 Uhr

Der Klimawandel betrifft uns alle – auch die Tierwelt. Doch ihr fehlt es an Anpassungsmöglichkeiten. Für Nutztiere bedeutet heißes Wetter schlicht mehr Stress. Durch technische Einrichtungen kann das Stallklima zwar bis zu einem bestimmten Grad reguliert werden. Doch bei extremer Hitze hilft selbst das nicht mehr.

„Tiere leiden wie Menschen unter Hitze“, heißt es vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf (Landkreis Rostock). Seit einigen Jahren erforscht das Institut die Auswirkungen zunehmender Hitzeperioden auf den Stoffwechsel und die Fruchtbarkeit von Milchkühen. Die Forscher wollen einen Weg finden, die steigende Hitze für Tiere erträglicher zu machen.

„Je größer ein Organismus ist, desto kälter liebt er es“, erklärt Joachim Weitzel, Biochemiker am Leibniz-Institut. Daher bevorzugen Kühe kältere Umgebungen. „Die Spitzentemperaturen in Deutschland sind für Kühe kritisch“, sagt er. „Sie geben weniger Milch und pflanzen sich seltener fort.“ Zusätzlich würden die Tiere aufgrund der Hitze weniger fressen, weshalb neben der Menge auch der Nährstoffgehalt der Milch verringert ist. Bei rund 18 Grad Celsius liege die optimale Wohlfühltemperatur der Tiere.

Die Untersuchungen des Instituts sind anhand von Zellkulturen gemacht worden. „Um herauszufinden, was genau im Körper der Kuh passiert, sobald sich die Temperatur erhöht, haben wir aus den Ohren der Rinder Hautproben entnommen“, erklärt Weitzel. Bei Experimenten sei herausgekommen, dass ein Hormon, das bei der Thermoregulation eine große Rolle spielt, durch Hitze vermehrt produziert wird. „Dadurch schwitzen die Tiere mehr, was wiederum zu einem erhöhten Stressfaktor führt.“

Diesem Vorgang könnte durch die Zugabe von Medikamenten wie Paracetamol entgegengewirkt werden. Das Institut möchte bei seiner Forschung jedoch eine andere Lösung finden. „Eine Alternative wäre es, die Zucht mit solchen Tieren durchzuführen, die besonders hitzeresistent sind“, sagt Weitzel.

„Die Forschung des Leibniz-Instituts ist auf jeden Fall sinnvoll, da der Klimawandel die Kühe in ihrem Lebensraum beeinflusst“, sagt auch Martin Piehl, Geschäftsführer des Bauernverbands in Mecklenburg-Vorpommern. „Das Institut forscht für die Landwirtschaft und will diese optimieren.“ Dabei sei es aber wichtig, auch an das Tierwohl zu denken. Insbesondere die Zusammenarbeit mit anderen Ländern wie Brasilien oder Indien liefere einen wichtigen Beitrag für die Forschung in Dummerstorf. „Unser Vorteil sind die vielen Rinder, die uns in unterschiedlichen Züchtungen und Nutzungsarten unter bereits extremen klimatischen Verhältnissen zur Verfügung stehen“, sagt Ralf Pöhland, Biologe am Leibniz-Institut.

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