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Bienensterben : Wenn das Summen verstummt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weltweit rafft das Bienensterben die Völker dahin: Wie sähe es im Supermarkt ohne sie aus – ein Plädoyer für die Nektarsammler.

von
erstellt am 30.Mai.2015 | 16:00 Uhr

Sommer, Sonne, Blütenpracht und auch das Summen der Bienen gehört dazu. Doch Forscher warnen, die Idylle trügt, könnte das Himmelsvolk verstummen? Das Phänomen des Bienensterbens dezimiert seit einigen Jahren in den Wintermonaten weltweit die Bestände der Honigbienen. Etwa ein Viertel der Bienenvölker in Mecklenburg-Vorpommern haben den vergangenen Winter nach Angaben des Landesverbandes der Imker nicht überlebt. Üblicherweise sind es weniger als zehn Prozent. „Wir sind überzeugt, dass viele Imker versuchen werden, ihren Bestand wieder aufzufüllen“, sagte der Verbandsvorsitzende Torsten Ellmann.

Ohne die summenden Honigsammler hätte der Wochenendeinkauf im Supermarkt allerdings einen bitteren Beigeschmack. Denn es gäbe kaum Obst und Gemüse. Im Kühlregal würden sich Lücken auftun, wo Fruchtjoghurts oder Käse zu finden sein sollten. Das Saftregal wäre leer und Schokolade, ohne Kakaobohnen, ganz verschwunden. Um etwa ein Drittel würde sich insbesondere die vitaminreiche Kost reduzieren. Den Verlust des Honigbrötchens würden wir vermutlich verkraften, doch unsere Ernährung würde deutlich eintöniger und vor allem nährstoffärmer ausfallen, wenn etwa Äpfel, Birnen, Gurken, Melonen oder Nüsse zur Mangelware würden. In der Salatschüssel blieben lediglich ein paar grüne Blätter mit Öl und Essig übrig, auch auf Parmesan müssten wir verzichten. Im Glas mit einem klassischen Obstshake blieben nur noch die Eiswürfel und ohne die Mitarbeit der Nektar sammelnden Brummer würde auch der Smoothie nur halb so gut schmecken. Eine Schale Guacamole müsste ohne Avocado, Tomaten, Zwiebeln und Koriander auskommen und würde in etwa so wie ein Leckstein aus dem Kleintiersortiment schmecken.

Bienen sind das drittwichtigste Nutztier nach Schweinen und Rindern. Sie bestäuben etwa 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutz- und Wildpflanzen und tragen damit entscheidend zur Nahrungsversorgung bei, so der Deutsche Bauernverband. Er beziffert ihren volkswirtschaftlicher Nutzen auf jährlich etwa zwei Milliarden Euro in Deutschland und 70 Milliarden Euro weltweit. Tatsächlich ist das fleißige Bienchen unendlich wertvoll, denn ohne sie würden Flora und Fauna nicht nur Duft und Farbe verlieren, sondern auch ihre Artenvielfalt. Besonders betroffen wären frucht- und samenreiche Kulturen, wie etwa Tomaten, Kaffee oder Wassermelonen, denn ihr Ertrag ist durch nicht ausreichend befruchtete Blüten begrenzt. Der Gartenbau wäre ohne Bienenbestäubung nicht mehr rentabel. So liegen, laut Bauernverband, die Erträge bei Kirschen mit Bienenbestäubung etwa zehnmal höher als bei der Windbestäubung. Erdbeeren und Himbeeren zeigen doppelten Ertrag und weitaus größere Früchte. Äpfel erlangen durch Bienenbestäubung ein um ein Drittel höheres Gewicht. Viele Früchte ließen sich gar nicht mehr verkaufen, weil sie zu klein blieben.

Allerdings würde die Menschheit wohl nicht verhungern, auch wenn Ernteerträge um bis zu 90 Prozent schrumpfen könnten. Denn Weizen, Reis, Mais, Trauben und Oliven beispielsweise wachsen auch ohne Zutun der Insekten. Allerdings wäre ein Sommer ohne Äpfel, Birnen, Kirschen oder Pflaumen kaum vorstellbar, ohne das Summen gar nicht denkbar.

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