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Kritik von Umweltschützern : Wenig Inhalt, viel Müll

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Produkt sei nur schwer von den Kaffeeresten zu trennen und so nur schwer zu recyceln, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe

„Wenig Kaffee und ganz viel Müll“ – mit diesen Worten kritisiert gestern die Deutsche Umwelthilfe die Hersteller von Kaffeekapseln. Kaffeekapseln als Verpackungssystem seien abfallintensiv und ressourcenineffizient und somit umweltschädlich. Die Deutsche Umwelthilfe beklagte in der Lebensmittelindustrie zugleich einen Trend zu „immer kleineren Verpackungen, die immer mehr Abfall erzeugen“. Stattdessen sollten Verpackungsmengen eigentlich durch intelligente Konzepte verringert werden. „Im neuen Schweriner Nestlé-Werk sollen jährlich bis zu zwei Milliarden Kaffeekapseln produziert werden“, erklärte der Experte für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer. Auf sechs Gramm Kaffee kämen zirka drei Gramm Plastik- oder Aluminiumabfall. „So unscheinbar eine einzelne Kaffee-kapsel wirkt, umso größer sind deren Umweltauswirkungen in der Gesamtheit.“ Besonders absurd sei es, sagte Fischer weiter, wenn neben der Kaffeekapsel auch noch eine Milchkapsel zur Zubereitung benötigt werde. Auf die Weise verdopple sich die Verpackungsmenge.

Nestlé-Europachef Laurent Freixe wies die Kritik gestern zurück: Der Konzern lege größten Wert auf nachhaltige Gewinnung des verwendeten Kaffees. Der Anbau schlage sich mit 50 Prozent auf die Ökobilanz des Produkts nieder, die Kapseln selbst mit 10 Prozent.

Indes bereiten immer mehr Deutsche ihren Kaffee aus Kapseln zu. Der Absatz der Kapsel stieg 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 27,5 Prozent. Der Verkauf von traditionellem Röstkaffee ging demnach gleichzeitig um mehr als zehn Prozent zurück. Auch bei den bis vor kurzem ebenfalls noch sehr beliebten Pads gab es ein Minus von fünf Prozent. Insgesamt kauften im vergangenen Jahr 5,8 Millionen Deutsche Kaffee-Kapseln – das waren 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Absatz der Kaffeekapseln war nach Angaben des deutschen Kaffeeverbandes auch im Jahr 2012 schon stark gestiegen, und zwar um 13 Prozent. Nach Einschätzung der Umwelthilfe belastet der Einsatz von Kaffeekapseln nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel des Verbrauchers. Dieser müsse deutlich höhere Preise bezahlen als für herkömmlichen Kaffee. Selbst die günstigsten Kaffeekapsel-Varianten kosteten 19 Cent pro Stück. Bei etwa sechs Gramm Kaffee ergebe das einen Kilopreis von über 30 Euro.

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