Wemag schaltet auf Ökostrom um

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25. August 2010, 12:12 Uhr

Schwerin | Der Regionalversorger Wemag entdeckt das alternative Energiegeschäft: Der 2009 vom Vattenfall-Konzern an 200 Kommunen in MV und Brandenburg verkaufte Strom- und Gasanbieter legt eines der bisher größten Investitionsprogramme auf und steckt 64 Millionen Euro u. a. in den Ausbau der Netze und eigene Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen. Allein 47,5 Millionen Euro fließen u. a. in die Leitungen zwischen Schwerin und Gammelin sowie Wittenburg und Zarrentin oder das Umspannwerk Neustadt-Glewe, kündigte Vorstand Thomas Pätzold gestern an. Der 42-Jährige war erst zu Wochenbeginn vom Aufsichtsrat bestellt worden und führt gemeinsam mit dem 45-jährigen Caspar Baumgart das Unternehmen. Darüberhinaus sollen alte Freilandleitungen verkabelt und 155 Kilometer Mittel- und Niedrigspannungskabel verlegt werden. Der Grund: der hohe Anteil erneuerbarer Energie. Wind, Sonne oder Biogas lieferten inzwischen 58 Prozent des Stromverbrauchs im Netzgebiet. Die Energie u. a. von den Windkraftanlagen in Prötlin und Quitzow müsse zuverlässig abtransportiert werden, sagte Pätzold. 2014/2015 sollen 100 Prozent des in der Region verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Das jetzt gestartete 60-Millionen-Programm ist Teil eines für die kommenden Jahre angekündigten 300-Millionen-Euro-Investitionsplans.

Im derzeit von den vier Branchenriesen bestimmten Energiegeschäft würden die Karten neu gemischt, meinte Vorstand Caspar Baumgart. Unter dem bisherigen Eigner Vattenfall habe der Schwerpunkt auf der Stromversorgung, aber nicht auf der Erzeugung aus erneuerbaren Quellen gelegen, erklärte Aufsichtsrat Michael Thomalla. "Jetzt schaltet die Wemag um." Im vergangenen Jahr sei für zwei Millionen Euro eine erste Solaranlage in Güstrow errichtet worden. Sieben Photovaltaik- und drei Biogasanlagen seien in Planung, erklärte Baumgart. Darüberhinaus werde derzeit über den Kauf eines Windparks in Westmecklenburg verhandelt.

Indes kommen auf die 150 000 Wemag-Kunden 2011 höhere Kosten zu. Die 2009 bis Ende März 2011 gegebene Preisgarantie sei zwar eine "mutige" Entscheidung gewesen, die aber eingehalten werde, sagte Baumgart. Zwar habe die Wemag den Strom für 2011 günstiger einkaufen können, allerdings sei zu befürchten, dass die vom Bund geforderte deutlich steigende Umlage für erneuerbare Energien den Vorteil wettmachen werde.

Auch nach dem Eignerwechsel setzt die Wemag - 74,5 Prozent halten die Kommunen, 25,5 Prozent die Versorger-Gruppe Tüga - weiter auf Expansion. Seit Jahresbeginn seien 20 000 Neukunden gewonnen worden, allein 17 000 Gaskunden aus Norddeutschland, davon 8000 aus MV und Brandenburg, sagte Thomalla.

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