Wirtschaft : Was wurde aus den Schlecker-Frauen?

<p>Silvana Quade und Christa Meisel sind mit der Entwicklung der „Drogerie Duo“ in Parchim zufrieden, Ulrike Brümmer (v.l.) betreibt seit gut zwei Jahren ihr Geschäft „Uns Crempott“ in Schwaan.</p>

Silvana Quade und Christa Meisel sind mit der Entwicklung der „Drogerie Duo“ in Parchim zufrieden, Ulrike Brümmer (v.l.) betreibt seit gut zwei Jahren ihr Geschäft „Uns Crempott“ in Schwaan.

Vor drei Jahren ging die Drogerie-Kette Schlecker in die Insolvenz. 25000 Menschen verloren ihre Arbeit. Zwei Frauen aus MV entschieden sich für die Selbstständigkeit und ziehen Bilanz.

svz.de von
26. September 2015, 07:00 Uhr

Alles richtig gemacht

Silvana Quade aus Parchim

Als Silvana Quade aus Parchim die Nachricht vom Aus der einstigen Drogerie-Kette Schlecker vor drei Jahren erfahren hat, saß der Schock tief: „Da war ich echt geplättet. Auf einmal war alles weg. Manche Verkäuferinnen haben sogar 25 Jahre bei Schlecker gearbeitet“, erinnert sich die 36-Jährige.

Sie ist eine der „Schlecker-Frauen“, die sich im Nordosten selbstständig machten. Angefangen mit einer Aushilfstätigkeit in einer Filiale in Güstrow erarbeitete sich die gelernte technische Assistentin für Informatik die Position der Bezirksleiterin bei Schlecker. Für sie stand nach der Schließung der Drogeriekette fest, dass sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen würde. Zunächst dachte sie über die Eröffnung einer Gaststätte nach. Doch dann entschied sie sich vor etwa zwei Jahren gemeinsam mit einer ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterin für die Gründung der Drogerie Duo. Ein Ladenobjekt war schnell gefunden – im Parchimer Weststadtmarkt.

„Anfangs war ich sehr euphorisch. Es war aber ein hartes Stück Arbeit, das Sortiment immer wieder neu anzupassen und an die Hersteller heranzutreten“, erklärt Silvana Quade die Herausforderung der Selbstständigkeit. Sein eigener Chef zu sein verlange einen Einsatz rund um die Uhr, eine Familie, die einen unterstützt und professionelle Beratung durch ein Unternehmensbüro.

Ende 2014 gab es plötzlich einen personellen Umbruch. Die Wege der beiden Frauen trennten sich. Seit Januar 2015 ist Silvana Quade alleinige Geschäftsführerin der Drogerie Duo.

Derzeit beschäftigt sie Mitarbeiterin Christa Meisel, die damals in einer Schleckerfiliale in Goldberg tätig war. Besonders gefragt seien in der Drogerie Dekorationsartikel. Zudem gebe es ein Bio-Sortiment, diverse Schreibwaren, Plüschtiere und ein Duft-Sortiment. „Ausbauen, weiter entwickeln und nicht stehen bleiben“ lautet das Credo der Parchimerin für die nächsten Jahre. Silvana Quade könne sich auch vorstellen, eine weitere Filiale in der Umgebung zu eröffnen, wenn es in der Drogerie Duo weiterhin gut laufe.

Ihr Ziel für das kommende Jahr ist es, den Ausbilderschein zu machen, um jungen Menschen eine Ausbildung in ihrer Drogerie zu ermöglichen. Anfragen nach Praktikumsplätzen gab es schon.

„Manchmal denke ich, mir wächst alles über den Kopf. Und dann bin ich mir sicher, alles richtig gemacht zu haben“, verrät die 36-Jährige und fügt hinzu: „Ich bin mit der Entwicklung des Geschäftes sehr zufrieden.“

Aufgeben ist keine Option

Ulrike Brümmer aus Schwaan

Für Ulrike Brümmer aus Schwaan bedeutete die Schlecker-Pleite einen großen Zusammenbruch. „Meine Kolleginnen und ich fühlten uns im Stich gelassen. Weder von Seiten der Politik, noch von den Ämtern wurde uns Verständnis entgegengebracht“, hebt die 54-Jährige hervor. „Wer über 50 ist, ist größtenteils nicht mehr vermittelbar. Ich fühlte mich einfach nicht mehr gebraucht“, erklärt die Schwaanerin. Aber aufgeben war für Ulrike Brümmer keine Option.

Schließlich entschied sie vor gut zwei Jahren, sich mit ihrer eigenen Drogerie „Uns Crempott“ selbstständig zu machen. In dem Gebäude war zuvor der Schlecker-Laden, den Ulrike Brümmer 20 Jahre lang leitete. Mit einer Angestellten hat sie damals die Drogerie eröffnet, doch mittlerweile betreibt sie ihr Geschäft allein. Eine Angestellte könne sie sich nicht mehr leisten. „Es reicht gerade noch, um alles bezahlen zu können“, berichtet Ulrike Brümmer. Selbstständig zu sein bedeute für sie auch, viel zu arbeiten und auf Urlaub zu verzichten. Immer wieder vorauszuschauen und die alten Zeiten hinter sich zu lassen, das Sortiment immer wieder anzupassen und weiter auszubauen. Neben dem Verkauf von Drogerieartikeln betreibt Ulrike Brümmer einen Kommissionshandel und Floristik. Darüber hinaus beliefert sie Pflegeheime in Schwaan, Tessin, Güstrow und Bad Doberan. „Man braucht mindestens zwei Jahre, um sich auf dem Markt zu profilieren“, erklärt die Schwaanerin.


Ob Parfüm, Nahrungsergänzungsmittel oder Babynahrung – für Ulrike Brümmer ist es selbstverständlich, auf die Wünsche der Kunden einzugehen. „Ich bin auch darauf angewiesen, dass die Leute meine Drogerie aufsuchen“, sagt die 54-Jährige.

Neben der Lage sei es auch ein Problem, dass viele Kunden in Discountern Drogerieprodukte erhielten. „Das ist für uns Kleinunternehmer nicht einfach, da wir mit den Preisen nicht mithalten können“, bedauert Ulrike Brümmer.

Im ersten Jahr dachte sie, dass eines Tages eine 0 an die 1 kommen würde, nun freue sie sich über jedes weitere Jahr, das sie mit ihrem Geschäft erreicht. Und: „Ich habe nicht aufgemacht, um gleich wieder zu schließen“, betont die Schwaanerin.

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