Rostock : Was hilft gegen den Abgasdreck?

Mit schwarzem Qualm verabschiedete sich der Bulker „Niki“ aus Rostock.
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Mit schwarzem Qualm verabschiedete sich der Bulker „Niki“ aus Rostock.

Finnlines rüstet 14 Schiffe um / Praxistest bei TT-Line

svz.de von
12. November 2014, 08:00 Uhr

Ein Bulker verlässt den Rostocker Hafen und stößt schon an der Mole eine mächtige schwarze Abgasfahne aus. Vom Sportboot vor Warnemünde sieht der Skipper am Horizont einen gelben Streif. Die Schiffe in der Kadetrinne haben ihre schwefelhaltigen Spuren hinterlassen. Hier wie dort wird deutlich, dass für Umweltschutz durch die Schifffahrt noch mehr zu tun ist.

Der Countdown dafür läuft. Ab Januar 2015 gilt in Nord- und Ostsee der strengere Grenzwert von 0,1 Prozent Schwefelgehalt in Schiffskraftstoffen. Die Schifffahrt steht vor der Herausforderung, schwefelarme, aber teurere Destillate, Abgasreinigungssysteme oder verflüssigtes Erdgas (LNG) als Kraftstoff zu verwenden. Die Regelung greift auch rund um Nordamerika, also der Sulphur-Emission-Control Area (SECA).

Allein mit langsamerer Fahrt oder Effizienzsteigerungen wie neue Rumpf- und Ruderformen sind die neuen Umweltbestimmungen nicht voll zu erfüllen. Die meisten Reeder werden den Treibstoff von Schweröl auf Marinediesel umstellen. Das ist die technisch kostengünstigste Variante. Aber auch sie ist teuer. 200 Euro mehr fallen pro Tonne an.

Die Reedereien werden das nicht allein aus eigener Tasche berappen, sondern einen SECA-Zuschlag erheben und somit die Mehrkosten auf die Kunden umlegen. Das dürfte in Richtung zehn Prozent gehen, rechnet der Rostocker Schifffahrtsexperte Prof. Karl-Heinz Breitzmann. Die Höhe des Zuschlags könnte so Teil des Wettbewerbs zwischen den Reedereien werden.

Breitzmann hatte jüngst beim Baltischen Verkehrsforum in Rostock die Umweltherausforderungen für den Ostseeverkehr zu einem Schwerpunkt gemacht, wo die verschiedenen Reeder über ihre entsprechenden Pläne sprachen. Die gravierendste Kursänderung, so wurde hier deutlich, hat Finnlines eingeleitet. Bis zu 14 Schiffe der Flotte sollen gemäß den neuen Anforderungen Abgaswäscher (Scrubber) erhalten, wie Claus Högh, Geschäftsführer von Finnlines Danmark A/S durchblicken lässt.

Experten rechnen mit Kosten von vier bis fünf Millionen Euro pro Schiff. Auch Verkäufe in andere Fahrtgebiete und Verschrottungen stehen an. Das betrifft vornehmlich ältere Tonnage, wo sich die Nachrüstung oder gar ein technischer Systemwechsel nicht lohnt. So trennte sich jüngst auch Finnlines von ihren Ro/Pax-Fähren „Finnhansa“ und „Finnarrow“.

Bei der TT-Line ist ein Pilotprojekt bereits im Praxistest. Auf der Ro-/Ro-Fähre „Robin Hood“ wurde durch den Motorenbauer Wärtsilä ein Scrubber eingebaut. Über die ersten gewonnenen praktischen Erfahrungen wurde noch nichts bekannt.

Scandlines setzt wiederum auf Hybridantriebssysteme – kombinierbar mit einem Scrubber, der die Motorenabgase von Schadstoffen wie Schwefel und Feinstaub reinigt und den Emissionsausstoß deutlich reduzieren soll.


Hybridantrieb auf der Linie Rostock–Gedser


Den zunächst auf der „Prinsesse Benedicte“ auf der Vogelfluglinie installierten und durch verschiedene Preise gewürdigten innovativen Antrieb sollen auch die Neubauten auf der Linie Rostock–Gedser erhalten. Sie werden gegenwärtig in Odense für den Einsatz ab 2015 klar gemacht, wie Geschäftsführer Sören Poulsgaard-Jensen berichtet.

Stena Line wiederum sieht den Einsatz von Methanol als mögliche Alternative und will ihre zwischen Kiel und Göteborg verkehrende Fähre „Stena Germanica“ umrüsten. Bis hin zum Einsatz von Flüssiggas (LNG) wird hier laut Stena-Manager Niclas Martensson aber auch weiteren Projekten nachgegangen. LNG, mit dem ein Schwefelausstoß auf Null reduzierbar ist, bleibt vorerst aber noch Zukunftsmusik. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH), das die Einhaltung der neuen Umweltbestimmungen gemeinsam mit Wasserschutzpolizei und Hafen- und Seemannsämter kontrollieren wird, hat unlängst Gaslieferanten, Motorenhersteller, Werften, Reeder und Charterer in einem Forum zusammengebracht. Eine Aufgabe besteht darin, auch in Deutschland den Einsatz von LNG auf den Weg zu bringen. Gegenwärtig verkehren nur etwa 50 Schiffe weltweit mit diesem Antrieb, fehlt flächendeckend noch die entsprechende Tanktechnik. Ein gutes Beispiel ist die zwischen Turku und Stockholm mit LNG verkehrende neue Fähre „Viking Grace“, die in Stockholm das Flüssiggas bunkert. In Finnland wurde eigens ein Förderfonds aufgelegt, um die Schiffe umweltfreundlicher aufzurüsten, teilte Dr. Kimmo Naskimit, der Geschäftsführer der Häfen Hamina und Kotka. Für 66 Schiffe werde das in Anspruch genommen. Und auch sein Hafen steuert verbesserten Umweltschutz an.

Trelleborg will gar der klimafreundlichste Hafen an der Ostsee werden, so dessen Chef Tommy Halen. Ein Grundstein ist dafür die vorhandene Versorgung mit Landstrom. An der Ostseeküste bleibt aber noch eine Menge zu tun.

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