zur Navigation springen

Regierung will Abzocke von Telefonkunden stoppen : Warten bald kostenlos

vom

Voraussichtlich ab Mitte 2012 sollen Anrufer für die Wartezeit bei Service-Hotlines nichts mehr zahlen. Die entsprechende Änderung des Telekommunikationsgesetzes hat die Bundesregierung am Mittwoch beschlossen.

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2011 | 08:28 Uhr

Berlin | Voraussichtlich ab Mitte 2012 sollen Anrufer für die Wartezeit bei Service-Hotlines nichts mehr zahlen. Die entsprechende Änderung des Telekommunikationsgesetzes beschloss die Bundesregierung gestern. Zum schwarz-gelben Kompromiss gehört auch der flächendeckende Ausbau schneller Internetverbindungen, ein einfacherer Wechsel des Telefonanbieters und die Mitnahme der eigenen Nummer bei Festnetz- und Mobilfunknummern.

Die Opposition kritisierte, dass erst im Laufe des kommenden Jahres endgültig Schluss mit der Abzocke sei. Denn ursprünglich wollte auch die Koalition erreichen, dass die Warteschleifen sofort umsonst sein sollen. Die Wirtschaft forderte aber eine Frist für die technische Umstellung. Nun soll die Regelung ein Jahr nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes - also nach Verabschiedung in Bundestag und Bundesrat - für die Branche gelten. Das könnte Sommer 2012 bedeuten. Bis dahin sieht eine Übergangslösung vor, dass die ersten beiden Warteschleifen-Minuten bei kostenpflichtigen Service-Nummern nichts kosten. Die Regierung hatte sich bereits 2010 grundsätzlich auf eine Regelung für Anrufe aus dem Festnetz und dem Mobilfunknetz verständigt. Während 0800-Nummern derzeit kostenlos sind, müssen Anrufer für 0180-Servicedienste und 0900-Premiumdienste zahlen.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach von einem großen Gewinn für die Verbraucher. "Die Probleme, die bisher beim Anbieterwechsel bestanden, gehören nun der Vergangenheit an. Das stärkt das Vertrauen in Markt und Wettbewerb." Auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) ist zufrieden: "Es ist uns gelungen, das Problem der kostenpflichtigen Warteschleifen zu lösen. Wird vom Unternehmen keine Leistung erbracht, dürfen auch keine Kosten berechnet werden." Aigner wollte auch alle Haushalte auf dem Land bis 2015 mit schnellen Breitbandanschlüssen von 50 Mbit pro Sekunde versorgen. Dies hatte das Wirtschaftsministerium als zu teuer und nicht marktwirtschaftlich abgelehnt. Nun soll weiter geprüft werden, andere technische Möglichkeiten wie Funknetze für eine flächendeckende Versorgung zu nutzen. Spätestens 2018 soll es keine weiße Flecken mehr auf der Internetkarte geben.

Die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn kritisiert: "Die gesetzlichen Übergangsfristen sind aber nicht nachvollziehbar und setzen ein falsches Signal." Denn die Abzocke sei ungebrochen. Im Einzelfall hätten Telefonkunden bei einer Service-Hotline rund 55 Euro bezahlt, um weitergeleitet zu werden.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen