Nordic Yards : Von Wismar aus ins arktische Eis

Blick auf das Heck des Spezialschiffes:   Der Turm in der Mitte links wird künftig den Bordkran tragen. Die vier roten Blockaufbauten nehmen die Hubbeine auf, mit denen sich das Schiff bis zu einer Wassertiefe von 45 Metern auf den Seegrund stellen kann.
Blick auf das Heck des Spezialschiffes: Der Turm in der Mitte links wird künftig den Bordkran tragen. Die vier roten Blockaufbauten nehmen die Hubbeine auf, mit denen sich das Schiff bis zu einer Wassertiefe von 45 Metern auf den Seegrund stellen kann.

Geschäftigkeit im großen Baudock am Wismarer Standort von Nordic Yards

svz.de von
12. März 2014, 11:37 Uhr

Und wieder heulten alle Schiffssirenen in der Umgebung. Der ehrende Gruß hat Symbolcharakter und ist überlieferter Brauch, immer wenn ein Schiff ausgedockt wird. Die gellenden Signalhörner galten einem arktischer Containerfrachter, der die Wismarer Dockhalle verließ.

Der arktische Frachter „Nadezhda“ hat inzwischen direkten Kurs auf den Heimathafen Murmansk genommen. „Seit dem 16. Januar stand der Spezialfrachter mit Eisbrecherfunktion und bestimmt für Einsätze in polaren Regionen, im Wismarer Dock von Nordic Yards auf dem Trockenen“, so die Information aus der Pressestelle der Werft. Damit befand sich der Schiffsriese quasi auf eigener Geburtsstätte. Denn vor fast fünf Jahren, am 28. Januar 2009, erfolgte am gleichen Standort die feierliche Übergabe an den russischen Bergbaukonzern Norilsk Nickel.

Jetzt erlebte der Frachter, wie seine Vorgänger einer einstigen Vierer-Serie vom Typ ACS 650, eine umfassende Modernisierung und Reparatur an seinem Geburtsort. Der knallrote Rumpf,erhielt nicht nur eine farbliche Auffrischung. Unter anderem erfolgte die Erweiterung der Ladekapazität um 68 Standardcontainerstellplätze. Das Vorschiff erhielt einen Wetterschutz, eine Ballastwasser-Behandlungsanlage wurde installiert sowie der Hafendieselgenerator überholt. Auch der separat unter dem Heck angeordnete Schiffsantrieb wurde gewartet. Im Ergebnis verlängerte der russische „maritime TÜV“ nach erfolgter Inspektion die Fahrerlaubnis für weitere Jahre.

In Anbetracht der Weitläufigkeit der Halle, die sich in einer Länge von 340 Metern und einer Breite von 67 Metern erstreckt, erscheint selbst ein fast 170 Meter großer Spezialfrachter relativ klein. Aus der Nähe wiederum wirkt der Schiffsrumpf gewaltig, der auf den Lagerböcken, den Pallungen ruht. Ebenso beeindruckend ragt das Achterschiff mit seinem Spezialantrieb, dem so genannten Azipod, in die Höhe. Das kompakte System vom Elektromotor und Propeller dreht sich zum günstigen Manövrieren bei Bedarf um seine eigene Achse. Gewaltig wirkt zudem der Schiffsname aus der Nähe. Übersetzt heißt „Nadezhda“ übrigens „Hoffnung“. Vielleicht ist dies ein gutes Ohmen für die Werft. Denn im Baudock ist jetzt wieder Platz. Zum Beispiel für Umbau und Endfertigung der beiden in Strahlsund gefertigten Fähren.

Im hinteren Baudockbereich, und nur durch ein wasserdichtes Zwischentor getrennt, laufen die Arbeiten zur Fertigstellung eines Spezialschiffes auf Hochtouren. Das künftige Windturbinen-Serviceschiff zeigt deutliche Konturen. Die Docklegung der 390 Tonnen schweren Großsektion erfolgte bereits am 16. September 2013. Bestellt hat das 80 Meter lange und 32 Meter breite Spezialschiff das dänische Unternehmen DBB Jack-UP Services. Dies erklärt auch seine Bestimmung für Windparks auf See, den Austausch und Service an Windradkomponenten in bis zu 100 Metern Höhe. Der Clou: Das Kranschiff kann sich mittels vierer Hubbeine wie auf Stelzen und Schiffsbewegungs-unabhängig, bis zu einer Wassertiefe von 45 Metern auf den Seegrund stellen. Voraussichtlich im II. Quartal dieses Jahres soll die Ablieferung erfolgen.

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