Millioneninvestition : Von Poel auf den Weltmarkt

Biologischer Pflanzenschutz aus MV: Die grünen Pilzsporen auf einem Nährsubstrat sind die Grundlage  für die Öko-Pflanzenschutzmittel
Biologischer Pflanzenschutz aus MV: Die grünen Pilzsporen auf einem Nährsubstrat sind die Grundlage für die Öko-Pflanzenschutzmittel

Durchbruch für Bio-Pflanzenschutzmittel aus MV /Technologiefirma Prophyta in Bayer-Hand / Heute startet in Wismar Millioneninvestition

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23. März 2014, 20:45 Uhr

Die Produktidee hatte Peter Lüth einst eher beiläufig gefunden, inzwischen ist sie zu einem Millionengeschäft geworden: Mehr als zwei Jahrzehnte hat der Wissenschaftler von der Insel Poel mit seinen Mitarbeitern der Firma Prophyta an einem biologischen Pilzbekämpfungsmittel getüftelt, das sich mit chemischen Produkten messen kann, dabei aber die Umwelt schont.

Das Wismarer Unternehmen fand weltweit Abnehmer, die jährlich inzwischen mehr als 700 Tonnen biologische Pflanzenschutzmittel vom Poeler Unternehmen bestellten. Im Vergleich zu 43 000 Tonnen Pflanzenschutzmittel, die allein 2011 auf deutsche Äcker ausgebracht wurden, allerdings immer noch eine geringe Menge. Jetzt soll die patentierte Technologie aus MV in großem Stil zum Einsatz kommen. Mit der Prophyta-Übernahme durch den Chemieriesen Bayer vor einem
Jahr erhält der Hersteller biologischer Pflanzenschutzmittel Zugang zu einem riesigen Vertriebsnetz in 120 Ländern - Verkauf in einer neuen Dimension.

Investitionszuwachs in Westmecklenburg: Millionen will die Bayer CropScience Biologics GmbH in den Ausbau der Produktionskapazitäten in Wismar stecken und einen Neubau errichten. Heute solle der erste Spatenstich erfolgen und gebaut werden, teilte das Wirtschaftsministerium im Vorfeld mit – der Aufstieg für Lüth und sein Team in eine neue Liga. 1992 hatte er mit seiner Firma im gerade gegründeten Technologiezentrum Schwerin/Wismar – eine der ersten Technologiefirmen in MV – auf der Insel Poel den Grundstein gelegt. 22 Jahre später sind die Mecklenburger zum weltweit größten Hersteller biologischer Fungizide aufgestiegen.

Mit Förderung der öffentlichen Hand: Die Entwicklung des Fungizids sowie des Herstellungsverfahrens und der Aufbau der Produktion wurden vom Land in den vergangenen Jahren finanziell unterstützt. Prophyta war eines der ersten Technologieunternehmen des Landes, das 1998 mit vom Wirtschaftsministerium bereitgestelltem Risikokapital ausgestattet und mehr als zehn Jahre von der Risikokapitalgesellschaft Genius Venture Capital begleitet wurde. „Der Erfolg der Prophyta belegt, wie wichtig die gezielte öffentliche Förderung von Innovation und Technologie für die Entwicklung zukunftsfähiger Unternehmen ist. Nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für das Land selbst“, hatte Lüth früher einmal erklärt: „Das Beispiel zeigt aber auch, wie lange so etwas mitunter braucht und welche Ausdauer hier gefragt ist.“

Das zahlt sich offenbar aus: In den vergangenen Jahren hatten sich die Großen der Branche für die Entwicklung aus MV interessiert. Jetzt kommt Bayer zum Zuge und gibt der Öko-Fungizid-Schmiede in MV und seinen etwa 30 Mitarbeitern eine Standortgarantie über mehrere Jahre. Früheren Angaben zufolge will der Konzern mit der Übernahme von Prophyta sein Obst- und Gemüsegeschäft ausbauen. Dazu solle die Produktion des biologischen Pflanzenschutzmittels erweitert werden. Zudem sollen neue Pilz-Präparate hinzukommen.

Die von den Poeler Wissenschaftlern entwickelten Bio-Pflanzenschutzmittel scheinen ökologisch orientierte als auch konventionelle Landwirtschaftsbetriebe gleichermaßen zu überzeugen. Das patentierte biologische Fungizid Contans bekämpft auf Raps-, Blumen- und Salatfeldern in der EU und den USA Pflanzenfäule. Preiswürdig: Für seine Erfindung erhielt Lüth neben dem Technologiepreis des Landes, dem Innovationspreis MV 2002 auch den Deutschen
Umweltpreis.

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