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Neukalener Stahlbauer : Von der ZDF-Bühne bis zum BND

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neukalener Stahlbauer behaupten sich seit 20 Jahren auf dem Markt / Unternehmen setzt auf qualifiziertes Personal

Trennschleifer schneiden kreischend Stahl, Schweißbögen blitzen und Hartmut Moß schiebt per Fünf-Tonnen-Kran einen Stahlträger durch die Halle. Bei der Peene Stahl GmbH in Neukalen (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) herrscht Hochbetrieb. „Wir bauen zusammen mit Partnern aus Kiel seit Jahren europaweit Kieswerke“, sagt Firmengründer Engelhardt Kelm. Peene Stahl besteht jetzt 20 Jahre und hat eine für Ostdeutschland enorme Entwicklung genommen. „Sogar beim Bundesnachrichtendienst in Berlin haben unsere Monteure Stahlteile aus Neukalen verbaut“, sagt Kelm. Die Firma startete mit elf Mitarbeitern, jetzt sind 40 Leute beschäftigt, darunter allein sieben Ingenieure.

Dänische Geschäftsleute und ein Zufall „halfen“ bei der Entstehung der Stahlbaufirma. „Wir waren als Landtechnikbetrieb DDR-weit für Feldhäcksler zuständig“, erläutert Kelm. Als sich nach 1990 eine dänische Brauerei in Dargun ansiedelte, bauten die erfahrenen Stahlbauer erst für die Dänen und machten sich 1993 selbstständig.

„Wir haben immer darauf geachtet, dass viel Konstruktion und anderes Know-how bei uns bleibt“, sagt Daniel Nötzel, der inzwischen die Geschäftsführung vom 66-jährigen Kelm übernommen hat.

Rund 1000 Tonnen Stahl pro Jahr verarbeiten die Neukalener. „Seit 1993 haben wir das Zweieinhalbfache dessen verarbeitet, was der Eiffelturm in Paris wiegt“, sagt Nötzel. Nach Hallen für Bundeswehrpanzer in Vorpommern entstanden Brücken, Tankstellen, die durch die Fußball-EM 2012 bekannte ZDF-Plattform von Heringsdorf und das „Skelett“ für das von Schweden gebaute Natur-Infozentrum Müritzeum in Waren.

Der BND war allerdings die „geheimste Baustelle“. Dabei waren zum Beispiel E-Mails nicht gestattet, alle Unterlagen mussten per Post geschickt werden, als ob man die Ausspähung durch andere Geheimdienste damals schon geahnt hat. „Selbst Handys mit Fotofunktion waren auf der Baustelle verboten, nur registrierte Mobiltelefone zugelassen“, erinnert sich der erfahrene Kelm.

Die rasante Entwicklung war nur möglich durch sehr qualifiziertes Personal, was seit Jahren gehalten wird – anders als in anderen Branchen. So zahlt Peene Stahl Urlaubs- und Weihnachtsgeld, investiert in die Qualifizierung und sorgt für zusätzliche Rentenvorsorge, um Mitarbeiter zu binden. Mit einer Schule im nahen Malchin soll jetzt ein Projekt angeschoben werden, wo Schüler unter Anleitung ihre eigene Bühne bauen. So soll der heimische Nachwuchs motiviert werden.

Für die Zukunft wurden ebenfalls Weichen gestellt. So gibt nach Kelm, der aber noch berät, auch sein Mitstreiter Norbert Winkelmann die Führung ab. Ihm folgt als Novum in der Stahlbau-Branche mit Katrin Ziesemer eine Frau. Die seit Jahrzehnten bewährte Zusammenarbeit mit einem Stahlbauer in Polen half den Neukalenern über manche Klippe. Die Auftragslage sei weiterhin gut, sagt Nötzel.


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erstellt am 01.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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