Spitzenforschung in MV : Vom Labor in die Klinik

Dr. Carsten Momma (li.), Prof. Klaus-Dieter Schmitz (M.) und  Dr. Niels Grabow arbeiten eng zusammen.
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Dr. Carsten Momma (li.), Prof. Klaus-Dieter Schmitz (M.) und Dr. Niels Grabow arbeiten eng zusammen.

Institut für Implantat-Technologie und Biomaterialien und Cortronik Rostock verbinden Wirtschaft und Wissenschaft

svz.de von
09. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Kürzer könnte der Weg zwischen Forschung und Anwendung nicht sein: Die Wissenschaftler am Institut für Implantat-Technologie und Biomaterialien (IIB) in Warnemünde befassen sich mit Gefäßstützen, die ins Herz und in Körpergefäße eingesetzt werden. Ein Teil ihrer Forschungsergebnisse wird bei Cortronik angewendet – direkt gegenüber.

Prof. Klaus-Peter Schmitz, der das IIB leitet, und Dr. Carsten Momma, Geschäftsführer von Cortronik, arbeiten seit 1996 zusammen. Das Unternehmen ging 1998 aus der Kooperation des Instituts mit der Firma Biotronik hervor. Damals arbeiteten drei Leute in einem einzigen Raum im Technologiezentrum Warnemünde. Heute ist das Unternehmen einer der weltweit führenden Anbieter von Stents.

Diese winzigen Metallgebilde stabilisieren Gefäße im Körperinneren. Sie werden bei Patienten eingesetzt, die an Durchblutungsstörungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Niere oder im Bein leiden. Um derart kleine Gebilde herzustellen, braucht es auch sehr kleine Werkzeuge – in diesem Fall einen Laserstrahl, der nur einen hundertstel Millimeter misst. Damit wird aus einem feinen Röhrchen die Gitterstruktur eines Stents herausgeschnitten. Danach wird die Oberfläche behandelt und beschichtet. Das Rostocker Unternehmen produziert pro Jahr mehr als eine halbe Million. Unter den Cortronik-Mitarbeitern sind zahlreiche Physiker, Chemiker und Ingenieure. Sie verbessern die vorhandenen Produkte, entwickeln neue Prozesse für deren Herstellung.

Zuletzt wurden Stents entwickelt, die mit Medikamenten beschichtet sind. Diese heilen Wunden, die bei der Implantation selbst entstehen können. Außerdem werden derzeit Produkte getestet, die sich selbst auflösen, sobald das Gefäß im Körperinnern genügend stabilisiert ist. Insgesamt wird die Stent-Forschung noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen, sagt Schmitz. Sein Institut arbeitet mit Partnern in ganz Deutschland zusammen und entwickelt Gefäßstützen auch für Augen und Ohren. Das Institut betreibt außerdem ein unabhängiges Prüflabor für Anbieter von Stents aus aller Welt. „Technisches Versagen kann in unserem Fall tödliche Folgen haben“, sagt Schmitz. „Deshalb sind die Qualitätsstandards enorm hoch.“

Gemeinsam arbeiten Institut und Unternehmen an einem Verbundforschungsprojekt des Landes. „Wir machen Vorlauf-Forschung auf dem Gebiet abbaubarer Stents“, erklärt Projektleiter Dr. Niels Grabow. Ein Blick in die Zukunft zeigt die Entwicklung einer künstlichen Herzklappe, die minimal-invasiv, also mit geringstem Aufwand für den Patienten, implantierbar sein soll. Gerade wurde am IIB das Kompetenzzentrum für Medizintechnik MV eingerichtet. Prof. Heyo Kroemer war jahrelang als Pharmakologe in Greifswald mit im Verbundprojekt tätig und ist heute Dekan der Unimedizin Göttingen. Er ist überzeugt, dass in Rostock ein hoch innovatives Thema bearbeitet wird. „Neben medikamentenbeschichteten Stents wäre denkbar, dass hier auch resorbierbare Stents auf Magnesiumbasis weiterentwickelt werden.“

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