Wirtschaft MV : Volkswerft war überbewertet

Berthold Brinkmann, Insolvenzverwalter der P+S -Werften
Berthold Brinkmann, Insolvenzverwalter der P+S -Werften

Insolvenzverwalter geht gegen den P+S-Jahresabschluss 2010 vor

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10. November 2015, 08:00 Uhr

Die Aufarbeitung der P+S-Werftenpleite ist am Montag vor dem Landgericht Stralsund fortgesetzt worden. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann hält neben dem Sanierungsgutachten vom Februar 2010 ein weiteres Gutachten der Wirtschaftsprüfer KPMG für fehlerhaft. Basierend auf diesem Gutachten sei die Volkswerft Stralsund überbewertet in die Verschmelzung mit dem Schiffbaubetrieb Wolgast zu den P+S-Werften eingegangen, sagte Brinkmann, der mit seiner Klage den P+S-Jahresabschluss von 2010 für nichtig erklären lassen will. Das Gericht hat für den 25. Januar einen weiteren Termin anberaumt. Ob es dann zur Verkündung einer Entscheidung kommt, ist offen.

Laut Brinkmann hat KPMG in diesem Gutachten zur P+S-Verschmelzung am 26. Mai 2010 festgestellt, dass die Stralsunder Werft einen Ertragswert von 168,4 Millionen Euro und einen Sachwert von 130 Millionen Euro gehabt haben soll. Inmitten der Werftenkrise seien diese Werte unrealistisch, zumal zwei gleichwertige Werften in Wismar und Warnemünde im Sommer 2009 mit 40 Millionen Euro verkauft worden waren, so Brinkmann weiter.

Möglicherweise hatte diese Bewertung Auswirkungen auf weitere dringend benötigte 326 Millionen Euro schwere Kredite, die das Bestehen der P+S-Werften erst möglich machten. In dem Kreditvertrag für die im Mai 2010 neugegründeten P+S-Werften sei gefordert worden, dass mindestens 100 Millionen Euro Eigenkapital ausgewiesen werden musste. Erst durch die Höherbewertung der Volkswerft sei es möglich gewesen, diese Zahl auszuweisen und die Voraussetzungen für die Kreditvergabe zu schaffen, zeigte sich Brinkmann überzeugt. Land und Bund hatten für die Kredite gebürgt.„Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat offenbar mehr als einmal die Lage der Werften schöngerechnet“, sagte Jeannine Rösler, Obfrau der Linksfraktion im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA). Für die Linksfraktion stelle sich die Frage, wem dies in erster Linie von Vorteil gewesen sei.

Für die Insolvenzverwaltung, die sich Gläubigerforderungen von rund einer Milliarde Euro gegenübersieht, ist das Verfahren vor dem Stralsunder Landgericht nur ein Baustein in der Aufarbeitung der P+S -Pleite. „Wir nähern uns einem Punkt, an dem wir verantwortlich sagen können, wann Insolvenzreife eingetreten ist. Das war nicht August 2012, sondern früher“, sagte Brinkmann.

Sein Büro bereite Klagen gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vor. Auch gegen die damaligen P+S-Geschäftsführer geht Brinkmann gerichtlich vor. Er wirft ihnen Pflichtverletzungen in ihrer Funktion als Geschäftsführer vor. Konkret fordert Brinkmann 106 Millionen Euro von den beiden Firmenchefs. Ein Verhandlungstermin steht laut Landgericht noch nicht fest.

Die P+S-Werften mit 1750 Mitarbeitern meldeten im August 2012 Insolvenz an. Das Insolvenzverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Brinkmann hält es für möglich, dass bis zu 800 Millionen Euro als Forderungen der Gläubiger anerkannt werden könnten.

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