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Vereinigung der Unternehmensverbände MV : Unternehmer auf Verbandsflucht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Rostock und Schwerin: Verband Vorpommern kündigt Dachorganisation die Mitgliedschaft.

svz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Absetzbewegung im größten Wirtschaftsverband in MV: Ein weiteres wichtiges Mitglied der Vereinigung der Unternehmensverbände Mecklenburg-Vorpommern (VUMV) kehrt dem Dachverband den Rücken. Nach den Unternehmensverbänden Schwerin und Rostock gibt zum Jahresende auch der Unternehmensverband Vorpommern die Mitgliedschaft auf. Das Präsidium habe einen entsprechenden Beschluss gefasst, erklärte Verbandspräsident Gerold Jürgens gestern. Grund dafür seien u. a. die von der VUMV verlangten jährlich steigenden Mitgliedsbeiträge. Das sei nicht mehr tragbar, so Jürgens. Pro Jahr werde damit ein hoher vierstelliger Betrag fällig, den die Mitglieder des eigenen Verbandes aufzubringen hätten. Zudem fühlten sich die Mitglieder nicht mehr in gewünschtem Maße vertreten. „Der Einfluss ist nicht so groß, wie er sein müsste“, sagte Jürgens.

Mit dem Austritt beginnen sich die Arbeitgeber in MV auseinanderzudevidieren. Zuvor hatten bereits die Unternehmensverbände Schwerin und später Rostock ihre Mitgliedschaft in der Vereinigung aufgegeben – u. a. auch wegen zu hoher Beitragsforderungen der VUMV. Stattdessen haben die drei ausgetretenen Verbände mit nach eigenen Angaben 1500 Mitgliedsfirmen einen Kooperationsverbund gegründet und versuchen, selbst ihre Interessen wahrzunehmen.

Austritt in Vorpommern: Ein bedauerlicher Entschluss, heißt es in der VUMV-Chefetage. „Finanzielle Gründe erscheinen zumindest dann vorgeschoben, wenn zugleich daran gearbeitet wird, eine teure Parallelstruktur zur VUMV aufzubauen“, erklärte Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger gestern: „Für diese ressourcenaufwändige Doppelarbeit haben die Unternehmer im Land wenig Verständnis.“ Die bis 2017 befristete Beitragsanpassung sei Ergebnis eines von der „gesamten Mitgliedschaft“ getragenen Strategieprozesses. Damit solle die Dachorganisation auf „ein noch festeres finanzielles Fundament“ gestellt und unabhängiger gemacht werden – vor allem von dem in wichtigen Positionen in Personalunion geführten mächtigen Branchenverband Nordmetall, der die VUMV massiv unterstützt. Fickinger zeigt sich gesprächsbereit: „Ziel aller Arbeitgeber in Mecklenburg-Vorpommern muss es sein, eine starke und einige Interessenvertretung gegenüber Politik und Gewerkschaften zu bilden.“ Dafür müssten aber die Regionalverbände der VUMV „wieder eine wichtigere Rolle spielen – in finanzieller, personeller und institutioneller Sicht.“ Allerdings hätten einige betroffene Verbände die Einladung, sich daran zu beteiligen, nicht wahrgenommen.

Die Vereinigung der Unternehmensverbände ist in MV einer der wichtigen Ansprechpartner für die Landespolitik, z. B. im Bündnis für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit. Bis Jahresende zählen noch 31 Mitgliedsverbände zur Dachorganisation. Eigenen Angaben zufolge vertreten sie 40 Prozent der Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern und 50 Prozent der Beschäftigten in MV. Dabei bringt sich die Dachorganisation allerdings immer stärker selbst in Konflikt: Während die VUMV in ihrem Leitbild als eine wichtige Aufgabe „Verhandlungen und Abschluss von Tarifverträgen“ aufführt und in der Bündnisrunde ein stärkeres Engagement für mehr Tarifverträge zugesagt hat, zählt sie ausgerechnet den Allgemeinen Verband der Wirtschaft Norddeutschland (AGV) zu den Mitgliedsfirmen, der tarifungebundene Firmen vereint. Sozialpartner am Verhandlungstisch in der Bündnisrunde und gleichzeitig Lobbyist für tarifungebundene Firmen – für Gewerkschaften ein Unding. Pikant: VUMV als auch AGV werden in Personalunion geführt werden – ein Chef, zwei Verbände mit gegensätzlicher Strategie.

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