Wirtschaft MV : Unternehmen im Land suchen Nachfolger

Er besetzt in Zukunft den Chefsessel? Der IHK Rostock zufolge stehen bis 2025 rund 23 000 Betriebe zur Nachfolge an.

Er besetzt in Zukunft den Chefsessel? Der IHK Rostock zufolge stehen bis 2025 rund 23 000 Betriebe in MV zur Nachfolge an.

Nach der Wende gründeten viele junge Menschen einen eigenen Betrieb. 20 bis 25 Jahre später taucht nun bei vielen die Frage auf, wie es mit der Firma weitergeht.

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18. Januar 2016, 12:00 Uhr

Ältere Firmeneigentümer sollten nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer zu Rostock nicht mit Investitionen sparen, wenn sie ihr Unternehmen in gute Hände übergeben wollen. Sie sollten ihren Betrieb so betrachten, als ob sie ihn noch 30 weitere Jahre leiten würden. Es gebe jedoch die Tendenz, dass mancher Eigentümer nur noch die Früchte seiner Arbeit ernten wolle und dabei die Betriebsmittel herunterwirtschafte, sagte IHK-Präsident Claus Ruhe Madsen der Deutschen Presse-Agentur.

Das jedoch sei ein Riesenfehler und erschwere die Suche nach einem Nachfolger. „Niemand steigt gerne in eine Firma ein, in der der Pfeil nach unten zeigt.“ Madsen verglich dieses Verhalten mit einem Autoverkäufer, der lieber die Sitze und den Motor aus dem Auto entferne und verwerte anstatt es nochmals auf Hochglanz zu polieren.

In den kommenden Jahren wird nach IHK-Einschätzung das Problem der Unternehmensnachfolge wie eine große Welle auf die Wirtschaft zukommen. Nach der Wende hätten viele junge Menschen eine eigene Firma gegründet und nun allmählich das Ende ihrer Schaffenszeit vor Augen. Landesweit stünden bis 2025 rund 23 000 Betriebe zur Nachfolge an. „Wer 55 Jahre oder älter ist, sollte sich intensiv mit dem Thema Nachfolge beschäftigen“, sagte Madsen. Es sei wichtig, dann den potenziellen Nachfolgern das zielstrebige Unternehmertum vorzuleben.

In diesem Zusammenhang kritisierte Madsen die stetig zunehmende Bürokratie, die den jungen Menschen das Unternehmertum zunehmend verleide. So dauere es viel zu lange, bis ein Geschäftsplan wegen der zu hohen Anforderungen endlich stehe. „Wir müssen davon wegkommen, alles reglementieren zu wollen“, forderte er.

Die Kammern in Mecklenburg-Vorpommern und die Bürgschaftsbank des Landes hatten Ende 2015 ein Beratungsprojekt gestartet. Es wird von 2016 bis 2018 mit insgesamt 236 000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds unterstützt. Gefördert werden unter anderem die Suche nach Nachfolgern und das Aufstellen eines Übergabefahrplans.

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