Bildungslandschaft MV : Uni-Lehrer arbeiten für Mindestlohn

<p>Ein Hörsaal der Uni Rostock</p>

Ein Hörsaal der Uni Rostock

Arbeit aus purem Idealismus: Lehrbeauftragte erhalten 16 Euro pro Lehrstunde plus Vor- und Nachbereitung.

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18. November 2015, 12:00 Uhr

Sie bilden künftige Akademiker aus und bekommen dafür eine Vergütung, die knapp über dem Mindestlohn liegt: In Mecklenburg sind 930 Lehrbeauftragte an den Hochschulen des Landes beschäftigt. Sie sind zwar keine festangestellten Mitarbeiter, geben aber über einen Lehrvertrag Seminare, sind bei Prüfungen dabei und halten in Einzelfällen sogar Vorlesungen. Dafür bekommen sie im Semester mehrheitlich für die Lehrstunde 16 bis 23 Euro, wie aus einem Antrag der Grünen im Schweriner Landtag hervorgeht. Vor- und Nachbereitungszeiten, Sachkosten und die Mitwirkung an Prüfungen sind mit diesem Honorar bereits abgegolten. „Ausgefallene Lehrveranstaltungen werden unabhängig vom Grund des Ausfalls in der Regel nicht vergütet“, sagte Johannes Saalfeld, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen , gegenüber unserer Redaktion. Berechne man zur eigentlichen Lehrstunde noch eine Stunde Vorbereitung und eine Stunde Nachbereitung sei man schnell bei der Höhe des Mindestlohnes, so Saalfeld weiter.

„Von der Stundenvergütung kann man nicht leben, viele arbeiten aus purem Idealismus“, sagt Dr. Wolfgang Weiß. Der Geograph weiß, worüber er spricht, er hat jahrelang als Lehrbeauftragter u. a. an der Universität Greifswald gearbeitet. Sollten Lehrbeauftragten früher für ein zusätzliches Angebot für Studenten sorgen, seien sie aus Mangel an Lehrkräften längst zu einer Säule des Hochschulbetriebs geworden. „Eine sehr bedenkliche Entwicklung“, schätzte Weiß ein.

Die Zahlen geben ihm recht. Im Jahr 2014 war der Anteil der Lehrbeauftragten am Personal mit 11,9 Prozent höher als der Anteil der Professoren mit 9,6 Prozent. Das heißt: Jeder achte Angehörige des wissenschaftlichen Personals in Mecklenburg-Vorpommern gehört zur Gruppe der Lehrbeauftragten.

Das Bildungsminister teilte in einer Kleinen Anfrage der Grünen zur Vergütung mit: „Im Kontext hochschulpolitischer Maßnahmen hat die Landesregierung beschlossen, die Vergütungshöchstsätze anzuheben.“ Allerdings sei die Meinungsbildung zu einigen Details noch nicht abgeschlossen.

Die Grünen wollen den Druck erhöhen und haben die Vergütung der Lehrbeauftragten auf die Tagesordnung des Landtages am Donnerstag gesetzt.

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