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Tarifpoker im Öffentlichen Dienst geht weiter : Umstrittene drei vor dem Komma

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Nach der ersten ergebnislosen Verhandlungsrunde hatten die Gewerkschaften kräftig mobilisiert: Die Gewerkschaften zählten bei den Warnstreiks 130 000 Teilnehmer. Und viel mehr seien noch zum Ausstand bereit.

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erstellt am 12.Mär.2012 | 07:44 Uhr

Potsdam | Vor dem Komma steht eine Drei. Auf den ersten flüchtigen Blick besitzt das Symbolkraft. Um 3,3 Prozent sollen die Gehälter der rund zwei Millionen Tarifbeschäftigten beim Bund und den Kommunen nach dem Willen der öffentlichen Arbeitgeber innerhalb der nächsten zwei Jahre steigen. Das Verhandlungsangebot, das Bundesinnenminister Friedrich (CSU) und der Präsident der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle, gestern in der zweiten Verhandlungsrunde nach anfänglichem Zögern den Gewerkschaften präsentierten, klang in der Höhe für einen ersten Aufschlag überraschend.

Doch die Reaktion der Gewerkschaften ließ nicht lange auf sich warten. "Völlig unakzeptabel" lautete die einhellige Botschaft von Verdi und der dbb-Tarifunion. Denn bei genauer Betrachtung sei es "gar keine richtige Drei". Denn starten soll die Stufenerhöhung erst im Mai mit 2,1 Prozent - obwohl der Tarifvertrag schon Ende Februar ausgelaufen ist. Und die zweite Stufe soll dann erst im März 2013 folgen - mit 1,2 Prozent.

Verdi-Chef Bsirske machte schnell die Gegenrechnung auf. "Das sind allenfalls in zwei Jahren im Schnitt 1,77 Prozent" - rechne man den zweimonatigen Erhöhungsaufschub und die angebotene Einmalzahlung mit ein. Für einen Facharbeiter in der höheren Besoldungsgruppe bedeute dies nach 14 Berufsjahren eine Brutto-Erhöhung von 50,80 Euro monatlich in der ersten Stufe und von 20,69 Euro in der zweiten. Fazit: Das sei viel zu wenig, um die Reallohnverluste der vergangenen zehn Jahre auszugleichen.

Nach der ersten ergebnislosen Verhandlungsrunde Anfang März hatten die Gewerkschaften in der vergangenen Woche kräftig mobilisiert: Warnstreiks hatten in vielen Städten Nahverkehr und Müllabfuhr zeitweise lahmgelegt. Kitas blieben geschlossen. 130 000 Teilnehmer zählten die Gewerkschaften. Und viel mehr seien noch zum Ausstand bereit, drohte Verhandlungsführer Stöhr.

Die Gewerkschaften haben mit ihrer 6,5-Prozent-Forderung oder mindestens 200 Euro mehr im Monat für die Bezieher kleinerer bis mittlerer Einkommen hohe Erwartungen geweckt. Nach dem ersten Schlagabtausch mit konkreten Zahlen wird heute weiterverhandelt.

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