Wirtschaft MV : Umstellen auf Bio weiter ratsam

Obwohl Bio-Bauern in diesem Jahr Preiseinbußen bei Milch hinnehmen müssen, sehen Marketingexperten keinen Grund zum Pessimismus für die Branche. Es gebe riesige Exportmärkte in Asien und den USA zu erschließen.

Obwohl Bio-Bauern in diesem Jahr Preiseinbußen bei Milch hinnehmen müssen, sehen Marketingexperten keinen Grund zum Pessimismus für die Branche. Es gebe riesige Exportmärkte in Asien und den USA zu erschließen.

Bröckelnde Preise bei Biomilch, ausgelastete Öko-Molkereien - für den Bio-Marketingexperten Hamm sind das keine Gründe, konventionellen Bauern von der Umstellung auf Bio abzuraten.

svz.de von
15. August 2016, 08:00 Uhr

Obwohl Bio-Bauern in diesem Jahr Preiseinbußen bei Milch hinnehmen müssen, sieht der Agrarmarketingexperte Ulrich Hamm von der Universität Kassel keinen Grund zum Pessimismus für die Branche. „Bio-Lebensmittel sind sehr viel teurer als konventionell erzeugte und trotzdem knapp am Markt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Schwerin.

Bio-Milch ist im Schnitt doppelt so teuer wie herkömmliche Trinkmilch. Die Nachfrage nach Bio steige pro Jahr um fünf bis zehn Prozent. Der Umsatzanteil der Bioprodukte am gesamten Lebensmittelmarkt liege bei fast fünf Prozent. Bei Frischmilch, Möhren und Eiern sei die Zehn-Prozent-Marke längst geknackt, Babykost sei überwiegend bio. Mecklenburg-Vorpommern habe hervorragende Voraussetzungen für die Erzeugung von Bio-Nahrung.

Der Preisrückgang bei Biomilch ist in diesem Sommer mit vier Cent pro Liter aufgrund des Eingreifens von Discountern etwas höher ausgefallen. Im Durchschnitt ist Biomilch im Sommer wegen des höheren Aufkommens etwa 3 Cent billiger als im Winter, wie Hamm sagte.

Der Absatzmarkt für Bio-Milch, der noch erschlossen werden könne, sei riesig. Exportchancen gebe es vor allem auf dem asiatischen Markt.„Bioware aus Europa hat dort einen enormen Vertrauensvorschuss“, sagte der Professor. In China werde für Trockenmilchprodukte und Babynahrung fast jeder Preis gezahlt. Auch die Landwirtschaft in den USA erzeuge nicht genügend Biomilch. Die Bauern dort hätten zudem die Schwierigkeit, gentechnikfreies Futter zu bekommen.

Hamm sagte, für konventionelle Milcherzeuger in Deutschland sei es angesichts der Milchmarktkrise weiterhin ratsam, auf Bio umzustellen.

Sie müssten jedoch zuvor den Absatz klären. Kleine Molkereien seien nicht in der Lage, große Exportmärkte zu erschließen. Die großen Hersteller wie Nestlé mit Babynahrung würden dagegen zeigen, wie es geht. Große Molkereien im Norden seien Arla und DMK.

Zu der Frage, ob Bioprodukte tatsächlich noch ökologisch sind, wenn sie den halben Erdball umrunden, sagte Hamm, es gehe auch um die Art der Produktion in Deutschland. Der Ökolandbau gewährleiste einen deutlich höheren Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Vergleich zum konventionellen Landbau. „Der Verlust der Biodiversität ist die größte Bedrohung“, sagte er. Gefährdet seien nicht nur die Regenwälder in Südamerika, Afrika oder Südostasien, sondern ebenso die Ökosysteme „vor unserer Haustür“. Die Bedrohung, die vom Verlust von Tier- und Pflanzenarten etwa durch das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat ausgehe, werde unterschätzt.

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