Outlet : „Umsätze fallen nicht vom Himmel“

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Mehr als ein Dutzend Fabrikverkaufszentren in Deutschland / Marktbeobachter Wagner: Auswirkungen auf Einzelhandel sorgfältig prüfen

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25. März 2015, 18:17 Uhr

Es werden immer mehr: Factory-Outlet-Center in Soltau und Wolfsburg in Niedersachsen, Wustermark kurz vor Berlin, Neumünster in Schleswig-Holstein – Investoren haben Deutschland in den vergangenen Jahren mit einem Netz von Fabrikverkaufszentren überspannt. Textilien, Schuhe, Sportwaren – zweite Wahl oder Überschusschargen von Markenherstellern können inzwischen bundesweit in 13 derartigen Zentren gekauft werden, geht aus einer gerade vorgestellten Studie der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in Ludwigsburg hervor. Noch immer gebe es weiße Flecken, meint GMA-Branchenexperte Markus Wagner: „Factory-Outlets sind im Trend.“ Der GMA-Analyse zufolge sind weitere zwei im Bau, zehn geplant, vor allem in Nordrhein-Westfalen. Mit auf dem Reißbrett: Wittenburg.

Die Planungen für ein Outlet-Center in Westmecklenburg sind nicht neu. Seit den 1990er-Jahren versuchten verschiedene Investoren am Standort einen großflächigen Direktverkauf einzurichten – bislang vergebens. Schon damals lief der Einzelhandel gegen den Fabrikabsatz Sturm – aus Angst vor den Auswirkungen auf die Innenstädte. Einem neuen Einkaufstempel auf der grünen Wiese steht vor allem die Landesplanung im Weg: Nach bisherigen Regelungen dürfen in Mecklenburg-Vorpommern Verkaufsflächen mit mehr als 5000 Quadratmetern nur noch in oberen Mittelzentren entstehen. Dennoch: Für Marktbeobachter Wagner biete die Lage Wittenburgs an der Autobahn im Zentrum zwischen Berlin und Hamburg „sehr gute Ausgangsbedingungen“. In den bisherigen Factory-Outlets habe sich gezeigt, dass auf viel befahrenen Transitstrecken eine Vielzahl von Kunden in den Verkaufszentren zur Schnäppchenjagd anhielten. Allerdings sei mit entscheidend, wie viele Kunden das neue Center in der Region binden könne. „Ob Kunden künftig von Hamburg bis nach Wittenburg fahren, ist fraglich“, so Wagner.

Doch an vielen Standorten trägt das Verkaufskonzept: Outlets versprechen Marken-Ware zu günstigen Preisen. Die Jagd nach dem Schnäppchen in Sachen Mode, Haushalt und Möbel hat in Deutschland dazu geführt, dass fast jeder Marken-Hersteller einen Fabrikverkauf betreibt. Mit den Outlet-Centern hat sich nach den USA auch in Europa eine neue Vertriebsform des Einzelhandels etabliert, analysiert der Standortberater ecostra in einer Studie – gegen hohe Planungshürden, gegen den Widerstand von Einzelhändlern. Doch Vorjahreskollektionen, Überschussware, Produkte der zweiten Wahl, Ware mit kleinen Fehlern – „400 statt 600 Euro für ein Sakko eines Markenherstellers, der Preisnachlass zieht“, meint Wagner. 20, 30 Prozent Nachlass auf reguläre Einzelhandelspreise seien keine Seltenheit, heißt es in der Branche. Doch auch Wagner mahnt: Aller Kritik in den betroffenen Regionen zum Trotz seien Factory-Outlets zwar „kein Teufelszeug“. Dennoch müsse die Regionalplanung sorgfältig die Auswirkungen auf den Einzelhandel prüfen, fordert er: „Umsätze fallen nicht vom Himmel“ und würden stattdessen umgelenkt. Doch wegen des großen Einzugsgebietes seien das „Einzelwerte“, so Wagner. Vielmehr seien nach bisherigen Erkenntnissen nach der Eröffnung eines Factory-Outlets keine Auswirkungen auf den Handel nachweisbar.

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