Report : Überstunden für Lehrlinge die Regel

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Report: Jeder dritte Auszubildende in MV mit Lehre unzufrieden / Vergütung gestiegen

svz.de von
11. November 2014, 20:37 Uhr

Bis zu 20 Überstunden in der Woche, oft ohne Ausgleich, fehlende Ausbildungspläne, teilweise eine 7-Tage-Woche und im Schnitt 100 Euro weniger Lehrlingsgeld als im Westen: Die Ausbildungsbedingungen für die Lehrlinge in den Firmen in MV haben sich in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Im Vergleich zum letzten Ausbildungsreport 2011 habe sich „nur sehr wenig geändert“, kritisierte DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter. Ein Drittel der befragten 1500 Lehrlinge ist mit der Qualität der Ausbildung im Betrieb, fast die Hälfte mit der Berufsschule nicht zufrieden, geht aus dem gestern vorgestellten DGB-Ausbildungsreport hervor. Dabei komme es zu „klaren Gesetzesverstößen“, erklärte Jugendsekretärin Jeanine Weigel. So dürften minderjährige Auszubildende nur 40 Wochenstunden arbeiten, trotzdem leiste jeder Fünfte unter 18 Jahren Überstunden. Insgesamt ordneten die Chefs für 19 Prozent der Lehrlinge regelmäßig Mehrarbeit an, ein Drittel bekomme noch nicht einmal einen Ausgleich. Alarmierend sei, dass der Anteil derer, die elf und mehr als 20 Überstunden leisteten noch immer bei 8,2 Prozent liege, so Weigel. Sorgenkind bleiben Hotels und Gaststätten: In der Branche seien Überstunden die Regel und nicht die Ausnahme. Jeder Zweite werde zur Mehrarbeit herangezogen.

Allerdings gibt es auch Zeichen der Besserung: Bei der Bezahlung habe es einen „erfreulichen Sprung“ gegeben, sagte Weigel – auch in Hotels und Gaststätten. Jeder dritte Lehrling erhält monatlich 250 bis 500 Euro – vor drei Jahren waren es noch 52 Prozent.

Der DGB forderte Konsequenzen: MV brauche eine Qualitätsoffensive, tarifliche Standards und wirksame Kontrollen, sagte Schlüter. Dazu müsse das Land eine Soko Jugendarbeitsschutz einrichten, um die Ausbildungsbedingungen minderjähriger Lehrlinge wirksamer zu kontrollieren.

Die Wirtschaft reagiert: Gesetzesverstöße seien nicht zu tolerieren, sagte Dehoga-Chef Matthias Dettmann. Ein Ausbildungswegweiser solle die Lehrqualität verbessern. Seit September werde mit dem Land und der Gewerkschaft an einem Projekt gearbeitet, um die Attraktivität der Branche zu verbessern, Saisonarbeit zu reduzieren und mehr Vollzeitjobs zu schaffen.

Hier der komplette Ausbildungsbericht zum Download.
 

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