Schulbeginn : Übermüdet zum Unterricht

MV pocht auf Schulstart um 7.30 Uhr / Für Ostdeutsche beginnt Schule eher als für Westdeutsche

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15. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Schulbeginn nach dem Ausschlafen statt Lernstart zu nachtschlafender Zeit – in Mecklenburg-Vorpommern noch die Ausnahme, in anderen Bundesländern längst Normalität. Bremen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz: In vielen Bundesländern schlagen Schüler ausgeschlafener die Bücher auf als in MV, ergab eine Umfrage unserer Zeitung unter den Bildungsressorts der Länder. Die Schule solle in der Regel nicht vor 8 Uhr beginnen, gibt u. a. das Bayrische Staatsministerium für Bildung den Schulleitern mit auf den Weg. Auch Grundschüler in Bremen bleibt der Unterrichtsbeginn vor 8 Uhr erspart. In mehr als 80 Prozent der weiterführenden Schulen klingelt es ebenfalls erst um 8 Uhr oder später zur ersten Stunde, erklärte Sprecherin des Bildungssenats, Christina Selzer. Während sich in MV u. a. gewählte Elternräte vehement gegen einen späteren Unterrichtsbeginn wenden und als Begründung neben den guten Erfahrungen in den vergangenen 40 Jahren vor allem eine Störung im Tagesablauf anführen, erkennen andere Länder entsprechende Forderungen von Wissenschaftlern längst an. In Berlin gebe es Schulen, die erst um 8.30 Uhr mit dem Unterricht beginnen, sagte Beate Stoffers, Sprecherin des Bildungssenators. In der Hauptstadt hatten erst vor wenigen Jahren Gymnasiasten mit einem Schülerentscheid um einen Unterrichtsstart um 9 Uhr geworben, konnten sich aber nicht gegen die Schulkonferenz durchsetzen.

Mädchen und Jungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen aber auch im Nordosten können davon nur träumen: Ostdeutsche Schüler müssen meist eher die Schulbank drücken. Sie laufen häufiger Gefahr, übermüdet im Unterricht zu sitzen. In Sachsen-Anhalt – dem Land, das sich selbst zum Land der Frühaufsteher ernannte – klingelt die Schulglocke für die meisten schon um 7.30 Uhr, heißt es im Bildungsministerium in Magdeburg. Wie in Sachsen: Die Schulordnung lasse zwar einen Unterrichtsbeginn bis 9 Uhr zu. 7.30 Uhr sei aber die Regel, so das Sächsische Staatsministerium für Kultus. Viele Schüler in MV haben dann bereits den ersten Stress hinter sich: Vor allem Mädchen und Jungen, die mit dem Schulbus anreisen, müssen nicht selten schon um 6 Uhr zur Schule aufbrechen – eine Tortur für viele Kinder, besonders im Winter.

Die Entscheidung über den Unterrichtsbeginn obliegt in Deutschland in der Regel den Schulen, ergab die Umfrage. Auch stimmten sich die Schulen der Region untereinander ab, erklärte Wolf-Jürgen Karle, Sprecher des Bildungsministeriums in Rheinland-Pfalz. Vor allem aber würden Unterrichtsbeginn und die Möglichkeiten des Schülerverkehrs miteinander abgestimmt, sagte Julia Lindner vom Bayrischen Staatsministerium. Der Landeselternrat in MV lässt das nicht gelten: Ein späterer Schulbeginn „nur aus betrieblichen Gründen“ sei „keine gute Lösung“, meinte Schwerins Stadtelternrat Rainer Schiffel.

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