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AOK-Krankenhaus-Report : Tödliche Fehler in Kliniken

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Aktueller AOK-Krankenhaus-Report: Von 19 Millionen Patienten erliegt jeder Tausendste einem medizinischen Fehler

Gesundheitsrisiko Krankenhaus? Bei knapp 19 Millionen Behandlungsfällen pro Jahr in Deutschlands Kliniken kommt es bei jedem Tausendsten Fall zu einem „tödlichen Fehler“. Professor Max Geraedts von der Uni Witten/Herdecke zieht einen drastischen Vergleich: 19 000 Menschen – „viel mehr als im Straßenverkehr“ – sterben jährlich durch Fehler im Krankenhaus. Man kann es so formulieren: Es gibt mehr als fünfmal so viele Klinikopfer wie Verkehrsopfer. Im aktuellen AOK-Krankenhaus-Report werden die Zahlen hochgerechnet, typische Fehler und ihre Ursachen benannt. Die Debatte über Qualität, Sicherheit und Fehlervermeidung im stationären Bereich entbrennt aufs Neue. „Nie hatten wir höhere Sicherheitsstandards in den Kliniken“, wehrt sich Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Tödliche Fehler bei einem Promille der im Jahr 2011 18,8 Millionen Behandlungsfälle – nachgewiesen ist das nicht. Es handelt sich um Hochrechnungen aus älteren Studien. Fehler durch Ärzte oder Pflegepersonal werden meist gar nicht entdeckt. So sind alle Zahlen letztlich Spekulation, die Dunkelziffer ist in jedem Fall hoch. Rund 40 000 Versicherte melden jedes Jahr mögliche Behandlungsfehler bei den Schiedsstellen der Ärzteschaft, bei ihrer Krankenkasse oder vor Gericht. Krankenhaus-Report-Mitherausgeber Geraedts ist sich sicher, dass die genannten Zahlen über Fehler im Krankenhaus eher zu niedrig seien: „Meines Erachtens sind das konservative Schätzungen.“

Die AOK-Studienautoren weisen auf Zusammenhänge hin: So ist die Überlebenschance für Frühchen umso besser, je häufiger eine Klinik Frühgeborene behandelt. Das Risiko, dass ein Baby mit weniger als 1250 Gramm Geburtsgewicht stirbt, ist in einer Klinik mit 15 Frühgeburten pro Jahr um 87 Prozent höher als in einer Klinik mit mehr als 45 Fällen jährlich. Bei Hüftoperationen ist es ähnlich: Bei 154 000 Hüftoperationen 2012 kam es in 7,4 Prozent zu Komplikationen, bei vier Prozent war eine Folgeoperation notwendig. Das Fünftel der Krankenhäuser, in denen die wenigsten Hüftoperationen durchgeführt wurden, wies eine um 37 Prozent erhöhte Rate von Folgeoperationen auf als Krankenhäuser, in denen am häufigsten operiert wurde.

Zu den typischen Fehlern im Krankenhaus zählen mangelnde Hygiene, infizierte Operationswunden, die Verletzung von Nachbarorganen bei Eingriffen, aber auch Arzneimittelverwechslung oder falsche Dosierung von Medikamenten. Von den tödlichen Fehlern sieht Geraedts etwa 40 Prozent als vermeidbar an.

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erstellt am 21.Jan.2014 | 21:00 Uhr

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