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Tierwohl: Viele Bauern gehen leer aus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bauern in MV führen höhere Stall-Standards ein / Betriebe bleiben auf Kosten sitzen

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2015 | 14:28 Uhr

Wohlfühlklima im Stall: Die vom Einzelhandel und der Fleischwirtschaft gestartete Tierwohl-Initiative greift in MV in vielen Ställen ins Leere. Bislang haben sich im Nordosten 59 schweinehaltende Betriebe, 35 Hähnchenmäster und zehn Putenhalter für das Förderprogramm beworben, mit dem Landwirte für bessere Haltungsbedingungen, die über gesetzliche Regelungen hinausgehen, zusätzlich bezahlt werden sollen. Aber nur 17 Schweine-Höfe können bislang von der privaten Initiative des Handels und der Fleischindustrie tatsächlich mit zusätzlicher Finanzhilfe rechnen, geht aus einem Ländervergleich der Tierwohl-Initiative hervor. Nur in Brandenburg liegt die Bewilligungsquote noch niedriger. Auch ein Dutzend Hähnchenmäster in MV wartet auf die angekündigte Tierwohlhilfe. Nur 18 der angemeldeten 31 Hähnchenmastbetriebe im Nordosten seien in das Programm aufgenommen worden, teilte eine Sprecherin der Initiative mit.

Mit der Tierwohl-Initiative setzen sich Handel, Verarbeiter und Landwirte erstmals in Deutschland gemeinsam für eine bessere tiergerechte Fleischerzeugung ein. Es sei die erste Aktion, bei der Bauern für Investitionen für mehr Tierwohl auch direkt Geld erhalten, erklärte Rainer Tietböhl, Präsident des Landesbauernverbandes. Das große Interesse zeige, dass die Bauern bereit seien, höhere Standards einzuführen, wenn Handel, Verarbeiter und Verbraucher das auch honorierten.

Vorerst aber kommt die Tierwohl-Abgabe bundesweit bei tausenden Bauern nicht an. Von den bislang knapp 5800 Viehhaltern konnte bislang nur jeder Zweite zugelassen werden, teilte die Initiative mit. Viele Bauern seien in Vorleistung gegangen und hätten in bessere Haltungsbedingungen investiert, blieben jetzt aber auf den Kosten sitzen, kritisierte Tietböhl. Der Finanzrahmen der Initiative müsse schnell erweitert werden. Bislang hätten beteiligte Handelsfirmen 85 Millionen Euro in den Fonds gezahlt, teilte die Initiative mit. Zu wenig, um alle registrierten Landwirte zu beteiligen. Jetzt müssten schnell weitere Partner für die Initiative gefunden werden, forderte Tietböhl. Aldi, Netto, Edeka, Kaufland, Real, Rewe und Co: Eigenen Angaben zufolge haben bislang 85 Prozent der Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels ihre Teilnahme an der Initiative Tierwohl erklärt. Für jedes verkaufte Kilo Fleisch- und Wurstware von Schwein, Hähnchen und Pute zahlen sie vier Cent auf ein Tierwohl-Konto.  

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