55-facher Verkaufspreis : Teurer Landeswald

187 000 Euro für kleine Waldflächen in MV / Landesforstanstalt will Splitterflächen zusammenführen

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30. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Die Landesforstanstalt hat seit 2009 kleine Waldflächen zu außergewöhnlich hohen Preisen verkauft. Für 600 Quadratmeter in Thiessow auf Rügen bekam sie 23 870 Euro. Das entspricht einem Hektarpreis von 400 000 Euro – oder dem 55-fachen des durchschnittlichen Verkaufspreises. Einen ähnlich hohen Hektar-Preis erzielte sie für ein Waldstück bei Nienhagen in der Nähe von Rostock. Bei neun Verkäufen setzte die Landesforstanstalt Preise von 100 000 Euro pro Hektar oder mehr an. Wodurch diese gerechtfertigt waren, teilte sie nicht mit. Ein Hektar entspricht 10 000 Quadratmetern. Da es sich jeweils um sehr kleine Flächen handelte, kamen bei diesen neun Verkäufen allerdings absolut „nur“ 187 000 Euro zusammen.


Verkaufserlöse werden reinvestiert


159 Waldstücke hat die Landesforstanstalt seit 2009 für insgesamt 1,7 Millionen Euro vor allem an Privatpersonen verkauft. Das geht aus den Antworten des Agrarministeriums auf zwei Kleine Anfragen im Landtag hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Im Durchschnitt mussten diese dafür knapp 7300 Euro pro Hektar bezahlen. Aber auch einige Unternehmen, Straßenbauämter und Kommunen kauften Wald von den landeseigenen Waldbewirtschaftern. Das mit 27 Hektar größte Stück Wald bei Waren ging für einen Hektarpreis von 2000 Euro an einen Privatmann. Der kleinste verkaufte Wald war kaum größer als ein Wohnzimmer im Plattenbau.

Mit den Verkaufserlösen hat die Forstanstalt nach eigenen Angaben an anderen Stellen des Landes wiederum Wald angekauft, um größere zusammenhängende Waldflächen in ihren Besitz zu bekommen, die besser zu bewirtschaften sind. Durch die Bodenreform 1946 wurde sehr viel Wald in Mecklenburg-Vorpommern in Splitterflächen aufgeteilt. In vielen Fällen können und wollen die Erben dieser Flächen die Wälder nicht bewirtschaften. Beim Ankauf von insgesamt 410 Hektar Wald bezahlte die Forstanstalt im Durchschnitt 4100 Euro pro Hektar – also deutlich weniger als sie von ihren Waldkäufern verlangte. Mit 14 700 Euro pro Hektar war ein kleines Waldstück bei Sternberg das teuerste, mit dem die Forstanstalt ihren Bestand erweiterte.

Die Preise für Waldstücke „unterliegen je nach Lage und Beschaffenheit starken Schwankungen“, so das Agrarministerium. Eine Tendenz lasse sich nicht ablesen. Der Wert eines Waldes hängt unter anderem von den Baumarten, dem Alter der Bäume und den Boden ab, auf dem sie stehen. Auch die Lage des Waldes spielt eine Rolle. Nach Ansicht von Kai Nikolaus Jansen, Schatzmeister des Waldbesitzerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, hat die Landesforstanstalt gemessen an den Durchschnittspreisen bei Verkäufen wie bei Ankäufen gut verhandelt. Zu einzelnen Verkäufen konnte Jansen nichts sagen, da er sie nicht kennt.


Ein Fünftel des Waldes in der Hand der Landesforstanstalt


Unterdessen verbesserte die Landesforstanstalt ihre Einnahmen durch den Verkauf von 60 Liegenschaften. Ehemalige Förstereien, Wohnhäuser und Ställe gingen für insgesamt 3,3 Millionen Euro über den Tisch. Durch den Verkauf solle der Bestand an Gebäuden auf das notwendige und wirtschaftlich tragbare Maß reduziert werden, so die Forstanstalt. Die Erlöse würden ausschließlich für die Instandsetzung der verbleibenden Dienstwohnungen genutzt.

Die Landesforstanstalt bewirtschaftet knapp ein Fünftel des Waldes in Mecklenburg-Vorpommern. Sie beschäftigt rund 1100 Mitarbeiter. Sie wurde 2008 gegründet, um den landeseigenen Wald zu bewirtschaften. Ursprünglich sollte sie von 2012 an sich ausschließlich durch eigene Einnahmen – etwa durch Holzverkäufe und Gebühren für die Bewirtschaftung privater Wälder – finanzieren. Dies ist ihr nicht gelungen. Für die nächsten beiden Jahre sieht das Land Zuschüsse in Höhe von 48 Millionen Euro vor.



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