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Wirtschaft sauer : Teurer Gleisausbau für lahme Züge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Investitionen von 850 Millionen Euro fährt nur ein Schnellzug von Rostock nach Berlin

Mit 160 Kilometern in der Stunde sollten die Züge unterwegs sein und zwischen Rostock und Berlin weniger als zwei Stunden benötigen: Daraus wird nichts. Der millionenteure Ausbau der Nord-Süd-Strecke zwischen der Hauptstadt und der Küste lässt die Reisezeiten kürzer werden. Nach Abschluss der jahrelangen Bauarbeiten Mitte 2014 kann die Deutsche Bahn die Zusage lediglich mit einem Schnellzug am Tag einhalten. Auch künftig solle nur ein ICE auf der Strecke eingesetzt werden, bestätigte Bahnsprecher Burkhard Ahlert gestern.

Völlig inakzeptabel und keine attraktive Alternative zum Straßenverkehr, wetterten die Stadt, Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Planungsverband Region Rostock gestern. Trotz der Investitionen von 850 Millionen Euro werden sich Reisende ab 2015 noch auf schlechtere Reiseangebote einstellen müssen. Neben der Bahn schraubt auch das Land Zugverbindungen zurück. Das Land „weigert sich, ein verbessertes Angebot zu bestellen“, kritisierte Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling. Zwar ermögliche der Streckenausbau künftig schnellere Zugverbindungen nach Berlin. Stattdessen wolle das Land weitere Züge streichen, beklagte IHK-Präsident Claus Ruhe Madsen. Ab 2015 solle der Warnemünde-Express ersatzlos vom Gleis genommen werden. Madsen: „Das können wir nicht akzeptieren.“ Den Warnemünde-Regionalexpress hatten MV, Brandenburg und Berlin bestellt, um fehlende Fernzugverbindungen der Deutschen Bahn auszugleichen. Fernverkehr sei aber nicht Aufgabe des Landes, wehrt das Verkehrsministerium in Schwerin ab. Das Land könne seinen Nahverkehr „nicht ausschließlich auf eine schnelle, den Fernverkehr ersetzende Verbindungen zwischen den Metropolen ausrichten“, die Verantwortung liege beim Bund. Als Ausgleich für den Warnemünde-Express werde die Kapazität des Regionalexpress erweitert und ab Ende 2014 ein fünfter Doppelstockwagen je Zug angehängt.

Top-Strecke, Flop-Angebot: Nach den bisherigen Verbindungsplätzen sind zwischen Rostock und Berlin täglich lediglich ein ICE, ansonsten fast nur vom Land bezahlte Regional-Expresszüge unterwegs – mit Fahrzeiten von unverändert zweieinhalb Stunden. Das Angebot reiche nicht, um die „Bahnkunden zurückzugewinnen, die bisher durch die langen Reisezeiten verprellt wurden“. Madson: „Wir brauchen ein zusätzliches Schnellzugangebot, das den bisherigen Zwei-Stunden-Takt des Regional-Express zu einem Ein-Stunden-Takt ergänzt.“

Die Bahn lässt die Kritik nicht gelten: Schnellere Fahrzeiten für Regional-Züge, mehr Pufferzeiten bei Verspätungen, freie Fahrt für schwere Güterzüge Richtung Hafen Rostock – nach dem Ausbau der Strecke könnten sich die Effekte für die Fahrzeiten „sehen lassen“, meinte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Weitere Schnellzugverbindungen seien aber nicht vorgesehen. Ahlert: „Der Fernverkehr muss kostendeckend fahren.“ Auf der Strecke Rostock-Berlin rechne sich aber nicht mehr als ein ICE am Tag. Die Nachfrage sei „in den letzten Jahren eher verhalten“ gewesen. Außerdem fehlten Fahrzeuge, um zusätzliche Angebote einzurichten. Allerdings werde bis November samstags und rund um Ostern und den langen Wochenenden ein Euro-City-Zug eingesetzt – häufiger als im Vorjahr. Zudem seien IC-Verbindungen von Stuttgart, Köln, Bremen, Hamburg, Leipzig und Magdeburg nach Rostock eingerichtet worden.

Mit dem Wegfall des Warnemünde-Express hat das Land eine weitere Verbindung aus dem Fahrplan genommen. Seit Wochen steht Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) für die Entscheidung seines Vorgängers Schlotmann in der Kritik, den Regionalverkehr zwischen Parchim und Malchow ab Ende 2014 komplett zu streichen.


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erstellt am 07.Apr.2014 | 21:01 Uhr

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