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Sicherheit in WM-Stadien : Terrorabwehr aus Schwerin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sicherheit in WM-Stadien: Technologiefirma Airsense Analytics stattet brasilianische Polizei und Armee mit Gasdetektoren aus

Hightech aus Mecklenburg sorgt für Sicherheit bei der Fußball-WM in Brasilien: Das Schweriner Technologieunternehmen Airsense Analytics hat im Vorfeld der kommenden Woche beginnenden Weltmeisterschaft zur Abwehr terroristischer Angriffe südamerikanische Sicherheitsbehörden mit Gefahrstoffdetektoren ausgestattet. Damit wäre man in der Lage, vor den Spielen eine Vielzahl verschiedener, aber nur schwer erkennbarer Gefahrstoffe aufzuspüren, erklärte Airsense-Chef Wolf Münchmeyer. Polizei, Marine und Armee: Mehr als 70 mobile Handgeräte seien landesweit in Brasilien im Einsatz. Bisher habe sich das südamerikanische Land nur wenig um die Gefahrstofferkennung gekümmert. Inzwischen aber sei das Land bestens gerüstet. „Das hat für einen Sprung im Unternehmen gesorgt“, sagte Münchmeyer.

Mit der brasilianischen Version der mit vier Datenbanken ausgestatteten Schweriner Gasdetektoren lassen sich mit nur einem Gerät mehr als 120 Explosivstoffe und radioaktives Material sowie Substanzen und gasförmige Stoffe erkennen, die schon in niedrigen Konzentrationen toxisch wirken können. Dabei sauge das Handgerät permanent die Umgebungsluft ein und analysiert diese mit Hilfe von mehreren Sensoren. „Der Gasdetektor spürt selbst kleinste Konzentrationen von nahezu allen bekannten Gasen sicher auf, noch bevor sie zu riechen sind“, erklärte Münchmeyer.

Mit bisherigen Technologien sei der Einsatz verschiedenster Geräte notwendig gewesen. Die Gasdetektoren aus Mecklenburg seien speziell dem brasilianischem Umfeld angepasst und bereits in den WM-Stadien von den Sicherheitseinheiten getestet worden, erklärte Münchmeyer. Die Vorbereitungen hätten mehr als drei Jahre gedauert. Zudem hat das Schweriner Technologieunternehmen zusammen mit einer US-Firma gebaute Detektoren zum Aufspüren von 400 verschiedenen Feststoff- und Flüssigkeitsproben nach Brasilien geliefert – für Drogen, Sprengstoffe.

Die beiden Firmengründer Münchmeyer und sein Partner Andreas Walte waren Mitte der 90er-Jahre von der Technischen Hochschule Hamburg nach Schwerin gekommen, hatten mit öffentlicher Finanzhilfe eine der bisher erfolgreichsten Technologiefirmen in MV gegründet. Als Zwei-Mann-Firma hatten sie zunächst mit der Entwicklung einer elektronischen Nase zum Aufspüren von Gasen und Gerüchen in der Pharma-, Umwelt- und Lebensmittelindustrie weltweit für Aufsehen gesorgt. Die sogenannte E-Nose kam unter anderem in der Weltraumstation zum Einsatz und sollte dort Schimmelpilze und Bakterien anhand ihres Geruchs ausfindig machen – der Ausgangspunkt für viele weitere Entwicklungen. Die Umweltanalytik ist inzwischen der Gefahrstofferkennung gewichen. Das Unternehmen mit mittlerweile 35 Beschäftigten weltweit – Kooperationspartner der Universitäten Rostock, Greifswald und Wismar und nach eigenen Angaben mit seiner patentierten Technologie Marktführer – habe sich zum Komplettanbieter für öffentliche Sicherheitstechnik entwickelt, sagte Münchmeyer. Weltweit verließen sich Sicherheitskräfte auf die Schweriner Gefahrstoffdetektoren. In Asien, Südamerika, Europa, beim G-8-Gipfel in Deutschland, bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Italien und 2014 in Sotschi, bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, beim Papstbesuch in Brasilien, beim Katastrophenschutz in der Bundesrepublik – überall seien die Geräte im Einsatz, erklärte Münchmeyer: „Zur Sicherung von Groß-Veranstaltungen dieser Art kommen Veranstalter um die Gefahrstoff-Analysetechnik nicht mehr herum.“ Airsense mische dabei vorn mit, sagte der 49-Jährige.

Und es wird mehr: Gas-Detektoren aus Schwerin sollen auch bei den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien und weiteren sportlichen Großereignissen zur Gefahrenabwehr eingesetzt werden. Die Airsense-Experten, die 2013 mit dem Exportpreis der Industrie- und Handelskammern ausgezeichnet wurden, erwirtschaften 97 Prozent des Umsatzes im Ausland – „junge Technologiefirmen erhalten im Ausland eher eine Chance als im eigenen Land“, meinte Münchmeyer. In China habe man Fuß gefasst und ein Büro eröffnet. Jetzt solle Brasilien folgen und eine Servicefirma gegründet werden.


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erstellt am 06.Jun.2014 | 07:45 Uhr

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