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Tausende Zuschauer sehen schwarz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hohe Kosten, viel Schrott: 2016 wird DVB-T-Fernsehen auf neuen Standard umgestellt

svz.de von
erstellt am 30.Okt.2014 | 13:48 Uhr

Signalwechsel im Fernsehen: Ohne Technikwechsel gucken zehntausende Zuschauer in MV schon bald in die Röhre. Ab Mitte 2016 soll das 2005 in MV eingeführte digitale Antennenfernsehen DVB-T auf den neuen Standard DVB-T2 umgestellt werden – drei Jahre früher als geplant. Die Ministerpräsidenten der Länder haben bei ihrem Treffen im Oktober einer Übertragung der Frequenzen an die Medienanstalten zugestimmt, teilte die Staatskanzlei in Schwerin mit.

In MV sind davon 20 000 Haushalte betroffen, die ihre Fernsehprogramme nicht über Satellit, Kabel oder Internet empfangen. Sie müssen sich womöglich schon zur Fußball-EM in Frankreich 2016 einen neuen Fernseher oder zumindest neue Zusatzgeräte kaufen, um die Spiele sehen zu können. Der neue Standard solle schrittweise bis Mitte 2019 eingeführt werden, beschlossen die Länderchefs. Fernsehzuschauer in MV können dann voraussichtlich mehr Programme empfangen. Bislang werden über das digitale Antennenfernsehen in MV nur die öffentlich-rechtlichen Sender empfangen. Private scheuten die hohen Übertragungskosten. Mit dem neuen Standard ließen sich die Übertragungskosten senken. Damit wachse die Hoffnung, dass auch die Privatsender künftig in MV über DVB-T zu empfangen sein werden, sagte Uwe Hornauer, Chef der Landesmedienanstalt MV. Zudem können mit der neuen Technik die Programme in einer höheren Qualität ausgestrahlt werden.

Vor dem Fernsehvergnügen kommen auf die 20 000 DVB-T-Haushalte in MV aber erneut Umstellungskosten zu. Die erst vor einigen Jahren angeschafften DVB-T-Boxen oder die in Fernsehern integrierte DVB-T-Tuner sind mit dem Umstieg nur noch Schrott. Fernseher müssen nachgerüstet, ausgetauscht oder Boxen neu gekauft werden. 2005 seien die Zusatzgeräte je Haushalt für 50 Euro zu haben gewesen. Mit ähnlichen Kosten müsse erneut gerechnet werden, schätzt die Medienanstalt und löst damit Kritik aus: „Wir rechnen mit Kosten von mindestens 300 Millionen Euro und einer Menge Elektroschrott“, beklagt die Medienexpertin der Grünen, Tabea Rößner. Es falle so viel Elektroschrott wie bei der Handyumstellung an, rechtfertigt Hornauer den Wechsel: „Das ist der Preis des Fortschritts.“ Bundesweit empfangen elf Prozent der Haushalte die Programme über DVB-T.

Indes macht auch der Bund Druck: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der für den Ausbau der digitalen Infrastruktur zuständig ist, will die für DVB-T-Fernsehen genutzten Rundfunkfrequenzen für den Mobildatenstandard LTE umwidmen, um im ländlichen Raum die Versorgung mit schnellem Internet zu verbessern.

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