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Die Energiewende rückt näher : Stromspeicher hilft Kosten sparen

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Der westmecklenburgische Energieversorger Wemag sorgt mit neuartigen Speichersystemen für mehr Versorgungssicherheit im schwankungsreichen Öko-Stromnetz und Einsparungen in Privathaushalten.

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erstellt am 19.Jun.2013 | 03:29 Uhr

Schwerin | Die Energiewende rückt näher: Der westmecklenburgische Energieversorger Wemag sorgt mit neuartigen Speichersystemen für mehr Versorgungssicherheit im schwankungsreichen Öko-Stromnetz und Einsparungen in Privathaushalten. Erstmals geht das Unternehmen noch in diesem Jahr mit einem Stromspeicher für den Hausgebrauch auf den Markt. Zusammen mit einer Photovoltaikanlage ließen sich damit mehr als die Hälfte des Strombedarfs eines Einfamilienhauses aus eigenen Quellen decken, erklärte Wemag-Entwicklungschef Raymond See gestern bei der erstmaligen Vorstellung des ReeVOLT-Speichersystems in Schwerin. Privathaushalte könnten damit etwa 50 Prozent der Energiekosten sparen. Mit dem zusammen mit dem Schweriner Anlagenbauer Hydyne entwickelten, nach eigenen Angaben "revolutionären" System könnten bis zu fünf Kilowattstunden zunächst nicht genutzter Solarstrom für den späteren Verbrauch gespeichert werden. Dazu würden Akkus eingesetzt, die ansonsten bei E-Bikes verwendet werden. Der Speicherbau sei zunächst auf 500 Anlagen jährlich für Kunden aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein konzipiert.

Akkus statt Kraftwerke: Mitte des Jahres solle in Schwerin zudem mit dem Bau eines Batteriespeicherkraftwerkes begonnen werden, kündigte Wemag-Technikvorstand Thomas Pätzold an. Mit einer Kapazität von bis zu fünf Megawattstunden ist das Werk der nach eigenen Angaben größte Batteriespeicher dieser Art in Europa, der Netzschwankungen binnen Sekunden ausgleichen könne. Die Wemag werde dazu einen "mittleren einstelligen Millionenbetrag" investieren. Ein Fünftel der Kosten für den turnhallengroßen Speicher werde vom Bund gefördert.

Neue Speicher, Öko-Anlagen, modernisierte Netze: Der Regionalversorger sucht neue Einnahmequellen. Mit der Stromerzeugung aus Sonne, Wind und Biogas habe der Norden einen Schatz, der gehoben werden müsse, erklärte Wemag-Manager Rolf Bemmann. Daran will der Regionalversorger künftig mitverdienen. 27 Millionen Euro sollen zusammen mit Partnern 2013 in den Bau eigener Öko-Kraftwerke gesteckt werden. Bis 2020 wolle die Wemag die Hälfte des Stromabsatzes aus eigenen Öko-Anlagen decken. Der starke Zuwachs an erneuerbaren Energien zwinge zum weiteren Ausbau der Netze, erklärte Pätzold. Bis 2018 würden im Schnitt 31,8 Millionen Euro jährlich investiert. Der Bedarf ist groß: Der Ökostrom habe derzeit einen Anteil von 80 Prozent gemessen am Stromansatz erreicht - der Bundesschnitt liegt bei 25 Prozent. Bereits ab diesem Jahr solle bei der Wemag mehr als 100 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Pätzold: "Wir werden exportierende Netzbetreiber." Zum Nachteil für die Kunden: Der Ausbau fließe in die Netzentgelte ein und müsse allein von den Kunden vor Ort bezahlt werden. "Wir wollen den Netzausbau. Aber es geht nicht, dass die Kosten alleine von den Bürgern in unserem Netzgebiet getragen werden", forderte er eine gerechte bundesweite Ausgleichsregelung. Durch den hohen Anteil erneuerbaren Energieanlagen im Norden und den Leitungsausbau Richtung Süden werden norddeutsche Kunden deutlich stärker belastet. Die hohen Preise haben die Wemag Kunden gekostet. Nach der vom Bund festgelegten höheren Öko-Stromumlage und den hohen Netzentgelten hatte die Wemag 2012 stärker als andere Versorger die Preise erhöht. Etliche Kunden hatten dem Versorger den Rücken gekehrt. Wenn bei geringerer Kaufkraft im Norden die Kunden auch noch allein für die Kosten des Netzausbau aufkommen müssten, wechselten sie, meinte Finanzvorstand Caspar Baumgart. Seit 2010 hat die Wemag den Angaben zufolge mehr als 9000 Kunden verloren.

Das bringt den Energieversorger unter Druck: Die Margen verfallen, meinte Baumgart. Für die Wemag und ihre kommunalen Anteilseigner bleibt weniger in der Kasse. 2012 sei im Stromgeschäft der Gewinn um neun auf acht Millionen Euro eingebrochen, im Netzbetrieb aber um sieben auf zehn Millionen Euro gestiegen.

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