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Stromriesen kassieren ab

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erstellt am 19.Okt.2010 | 06:22 Uhr

Schwerin | Deutschlands Stromkonzerne kassieren ab: Die drei großen Versorger Eon, RWE und EnBW haben 2009 einen Gewinn von mehr als 23 Milliarden Euro gemacht und steuern 2010 erneut auf ein Rekordjahr zu. Das geht aus einer von der grünen Bundestagsfraktion vorgelegten Energiestudie hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Allein nach den ersten beiden Quartalen 2010 nahmen die Branchenriesen 15 Milliarden Euro ein. Der Studie zufolge haben sich die Gewinne der Konzerne seit 2002 vervierfacht. Seitdem brachte ihnen das Stromgeschäft 100 Milliarden Euro in die Kasse.

Mit traumhaften Profitraten: So würden die Gesamtkapitalrenditen der drei Konzerne deutlich über denen der meisten anderen Dax-Unternehmen liegen, ermittelten Energie- und Wirtschaftswissenschaftler der Uni Saarbrücken in der Studie. Allein RWE hat danach von den Kunden 2,3 Milliarden Euro zuviel kassiert, legt man eine in Dax-Unternehmen übliche Rendite auf Märkten mit einem funktionierenden Wettbewerb zugrunde. "Die Kapitalrenditen bei der Stromproduktion bewegen sich in astronomischen Höhen von deutlich über 25 Prozent", kritisierte die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn. Das sei man nur mit mangelnden Wettbewerb zu erklären, der jetzt mit einer Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke noch zementiert werde. Höhn: "Mehr Wettbewerb bei der Stromerzeugung würde de facto zu niedrigeren Preisen führen."

Ein einträgliches Geschäft: Der Studie zufolge winken den Konzernen Extra-Gewinne. Durch die von der schwarz-gelben Koalition durchgedrückte zwölfjährige Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke könnten die Versorgern "einen gesamten Netto-Vorteil von über 70 Milliarden Euro einstreichen", moderat steigende Strombörsenpreise unterstellt.

"So ein Geschenk dürfte in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einmalig sein", kritisierte Höhn die Entscheidung. "Bezahlen tun dies Verbraucher und Unternehmen durch überhöhte Strompreise aufgrund von mangelndem Wettbewerb. Die seitens der Bundeskanzlerin versprochene hohe Abschöpfungsquote bei den Zusatzgewinnen durch eine Laufzeitverlängerung sucht man vergebens."

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